10.07.18 – Brief an B

am 10. Juli 2018

Lieber Herr B.,

ich habe mich nun etwas mit dem Buch von Gottfried Fischer beschäftigt. Er schlägt sich (noch) mit dem Unglauben herum. Aber das ist doch gar nicht mehr das Problem.

Unsere Lage scheint deshalb aussichtslos zu sein, weil wir uns den Anklägern Gottes nicht entgegenstellen. Denn wären diese im Recht, müßten wir den Atheisten dankbar sein, denn sie hätten unsere Kinderträume rein erhalten.

Oder was wollten Sie Dostojewski entgegenhalten, der Gott verfluchen will, solange auch nur ein einziges Kind leidet? Friedrich Nietzsche hat mit einer schlichten Frage die Welt, wie wir sie kennen, auf den Kopf gestellt:

„Wozu Mensch überhaupt?“

Genau an der Stelle, an der es spannend wird, verstummt der Autor.

Auf Seite 132 schreibt Fischer:

„Denn das Reich Gottes in einer Transzendentalwelt umfaßt eben nicht nur das helle und himmlische Reich einer göttlichen und paradiesischen Welt, sondern es gibt in jener 4D-Welt mit Sicherheit auch noch den Bereich einer dunklen Unterwelt! Die im allgemeinen Sprachgebrauch eben als ‚die Hölle‘ bezeichnet wird.“

In diesem Zusammenhang verweist er auf die Göttliche Komödie von Dante Alighieri, in der mit 67 Gesängen Hölle und Fegefeuer ausgemalt werden.

Daß sich in diesem Stück die Umkehrung der ”Frohen Botschaft“ (des Evangeliums) in die Jüdische Gehorsamssklaverei vollzieht, und damit die „Heimholung des Christentums in das Judentum“ zum Programm der Katholischen Kirche geworden ist, war wohl weder Dante noch Gottfried Fischer bewußt.

Dieser überbietet sogar noch die Gotteslästerung Dantes – und das geht so:

„… sitzt Gott-Vater gleichsam als der Autor seines selbstgeschriebenen Schauspiels im Zuschauerraum des ‚Theaters‘, welches ‚Stück‘ den Namen ‚Menschheitsgeschichte‘ trägt. Das nun hier im irdischen Bereich unserer Erde ‚aufgeführt‘ wird. Und Gott weiß bereits im ersten oder zweiten Aufzug, was im dritten oder auch erst im letzten Akt dieses Schauspiels ‚gespielt‘ wird und sich erst dort ereignet.“ (Gottesreich der Ewigkeit S. 90).

Sieht man darauf, daß die Weltgeschichte „einziges Schlachthaus“ ist, (Hegel), hätten wir es in dieser Sicht mit einem perversen Komödienschreiber, aber nicht mit “dem Lieben Gott“ zu tun.

Heißt es aber in der christlichen Kirche von Gott nicht:

„Alpha est et Omega“?

Damit ist Gott als Bewegung, Leben und Entwicklung erfaßt.

Seine Wahrheit ist das Ganze (Resultat).

Gott ist vollkommen in Ewigkeit – als Wissen von sich selbst. Wahrheit (Alpha) geht in Wissen über (Omega). Das Resultat ist Gott als Geist (Joh 4,24). Die Weltgeschichte ist der Fortschritt des Geistes im Bewußtsein der Freiheit (Hegel) oder der Gang Gottes durch die Welt zu sich selbst (ders.)

Wir lassen uns von unserer Vorstellung von Raum und Zeit dupieren. Wir sind uns nicht bewußt, daß Gott die Schöpfungstat nicht in Raum und Zeit vollbringt, diese also nicht als Gegebenheiten vorfindet‚sondern diese selbst als Bedingung seiner Erscheinung für sich setzt.

So ist auch unsere Körperlichkeit Gott nicht entgegengesetzt, für IHN keine Grenze.

Wir sind Geist und Gott ist Geist. Unser Bewußtsein ist Gottes Bewußtsein (Allwissenheit). Wer – außer Gott – weiß Etwas? Wer außer uns Menschen weiß?

Unsere Qual ist Gottes Qual. Gott ist sich selbst die Qual seines Zu – sich – Kommens. ER quält keinen Anderen, sondern nur sich selbst. So spricht Jesus vom Grauen in der Welt als von „Wehen“ (Matth 24,8).

Gott ist also nicht Quälgeist, sondern die Qual selbst.

Es war der „philosophus teutonicus“, Jakob Böhme, der Anfang des 17. Jahrhunderts das Tor zu wahrhafter Gotteserkenntnis aufstieß, indem er der Frage nachging, ob das Böse, der Teufel, ein selbständiges Wesen gegen Gott sei, oder nur ein Moment Gottes selbst. Von ihm geht die Wende von der „kindlichen“ zur „erwachsenen“ Perspektive in der Gottesfrage aus.

In der kindlichen Sicht ist Gott der „fürsorgliche“, der nach Gerechtigkeit belohnt und straft. So sieht es wohl auch Gottfried Fischer. Für ihn ist „Gott-Vater“ derjenige, „der in seiner Gerechtigkeit und Sorge um den Menschen auch stets Mittel und Wege finden wird, die ‚Gerechten auf Erden‘ zu sättigen ….“ (S. 11).

Das paßt schlecht zu der Tatsache, daß nach offiziellen UN-Angaben j ä h r l i c h 6 Millionen Kinder vor Erreichung des 6. Lebensjahres an Hunger und Mangelernährung sterben. Jedes Jahr ein „Holocaust“!

So lautet denn auch das dictum von Papst Franziskus in Nr. 53 seines Sendschreibens „Evangelii Gaudium“:

„Diese Wirtschaft (der Kapitalismus) tötet.“

Und er fügt hinzu: sie mache Menschen zu Abfall.

Der pastorale Beschwichtigungsversuch, daß dieses Ungemach die göttliche Reaktion auf die Sündhaftigkeit der Menschen sei, führt schnurstracks in die Wüste des Irrsinns.

Was hätte Gott sich dabei gedacht, den Menschen als ein sündenanfälliges Wesen zu erschaffen? Um ihm die Gnade der Wahlfreiheit zwischen Gut und Böse anzutun? Wozu dann Mensch überhaupt? Ist Gott ein „Hütchenspieler“?

Nietzsche meinte, daß wir alle Gottesmörder seien. Nun, ganz so schlimm ist es wohl nicht. Denn in dem Satz: „Gott ist tot“ (Nietzsche) lebt Gott fort als Gedanke. Ja, man kann sagen „Gott ist gar nicht totzukriegen“, denn wo sonst sollte Gott leben als in Gedanken? .

Irgendwas ist mit Gott an der Schwelle zur „Neuzeit“ passiert. Aber was?

Gottfried Fischer versucht das Rätsel zu lösen mit einer Rekonstruktion der „Zwei-Reiche-Lehre“ aus dem Geist der zeitgenössischen Physik. Er weiß nicht, daß er sich mit diesem Denkansatz im „unendlichen Regress“ verfangen hat. Jede Antwort ist eine neue Frage.

David Hume ist sehr früh auf dieses Phänomen aufmerksam geworden. Er hat erkannt, daß der Rationalismus, der in der Mathematik seinen vollendetsten Ausdruck findet, nie die N o t w e n d i g k e i t des Seins (be)gründen kann.

Es war René Descartes, der mit dem Satz „Ich d e n k e , also b i n ich“ den Weg zur Erkenntnis der Wahrheit, d.h. zum absoluten W i s s e n gebahnt hat. Er zeigt, daß jegliche Äußerlichkeit zweifelhaft ist. Nur die Innerlichkeit, welche Denken ist, ist mir gewiß. Diese Gewißheit ist die einzige u n m i t t e l b a r e Gewißheit. Sie hat nicht ihresgleichen.

Z w e i f e l ist Not. Ich erfahre sie als Infragestellung meines Lebens, wenn ich eine Brücke über den Abgrund betrete, von der ich nicht weiß, ob sie mein Gewicht trägt. Diese Not wendet die allein durch Denken im Denken gewonnene Einsicht, daß die Stabilität der Brücke der Last meiner Körperlichkeit gewachsen ist.

Die mathematischen Gesetze, denen Gottfried Fischer vertraut‚sind nur im Denken durch Denken.

Fischer setzt sich nicht damit auseinander, daß die Deutsche Philosophie dahin gekommen ist, dem Denken z u m i ß t r a u e n .

Die Frucht dieses Mißtrauens ist die Einsicht, daß die uns „von Natur aus“ geläufige Denkweise p r i n z i p i e l l untauglich ist für Gotteserkenntnis. Dieses Denken unterscheidet nicht nur zwischen Gott und Mensch; sie trennt auch diese Wesenheiten so, daß die eine nicht ist, was die andere ist. Danach verendet Gott am Menschen, ist nicht unendlich, allgegenwärtig, allwissend, allmächtig usw. Gott ist nicht Gott! – Das erst wäre wahrer Atheismus.

Gottfried Fischer scheint von diesem Kampf um das Denken völlig unberührt zu sein. Sein Ritt durch die Philosophiegeschichte (auf den Seiten 56—58) ist atemberaubend.

Sein Anliegen ist es, den Einspruch zu entkräften, den der Rationalismus gegen die Wahrhaftigkeit der biblischen Offenbarungen erhoben hat. Aber ist das noch von Interesse?

Das liefe doch auf folgende Argumentationsfigur hinaus:

„Es ist wahr, weil es so in der Bibel steht.“

Mit dieser unterwirft sich der Geist einer äußerlichen Autorität und macht sich damit unfrei.

Der mit der Aufklärung vollbrachte „Fortschritt des Geistes im Bewußtsein der Freiheit“ (Hegel), besteht darin‚diese Argumentation ein für allemal entkräftet zu haben. Das war Verlust und Gewinn in ein und derselben Hinsicht.

Der Verlust des Glaubens an die Wahrheit der Bibel entwurzelte die Völker des Abendlandes, die deshalb jetzt verwesen.

Der Schrecken der Leere (horror vacui) hat die christlichen Völker bei Strafe des Untergangs zurückgeworfen auf die Suche nach der Wahrheit. Diese kann nach der Diskreditierung des Glaubens und der Verzweiflung jeglicher Äußerlichkeit durch René Descartes jetzt nur noch im absoluten (d.h. von allen Bildern, Vorstellungen, Gleichnissen und dergleichen Äußerlichkeiten abgezogenen) Denken zum Erfolg führen.

Diese Einsicht war der Antrieb für die Deutschen Philosophen, die Tauglichkeit des Denkens für diese Operation zu untersuchen.

Den bereits erwähnten von Kant bewirkten Absturz des Denkens in den Agnostizismus hat der Deutsche Geist nicht als das letzte Wort der Geschichte hinnehmen wollen. Es kam Hegel, der wohl als erster erkannt hat, daß die mit der Autorität des Aristoteles an die Macht gelangte Verstandeslogik auf einer Voraussetzung aufbaut, die im Denken nicht gerechtfertigt werden kann. Nach Aristoteles ist nicht wahr, was sich widerspricht. Das entspricht dem Jüdischen Trennungsdenken, das die Juden nach Griechenland gebracht haben (Joh 7,55). Kant hat diese Voraussetzung unbesehen mitvollzogen, konnte aber zeigen, daß sich jeder logische Satz widerspricht. Hegel hat diese Voraussetzung eliminiert, indem er z e i g e n konnte, daß Widerspruch das l e b e n d i g e l n n e r e jeder wahren Denkform (logischen Bestimmung) ist.

Ausgehend von dieser weltumstürzenden Erkenntnis hat Hegel die Denkformen der Mathematik kritisiert und an ihnen aufgezeigt, daß sie die Dinge nur in ihrer äußerlichen Beziehung erfaßt, nicht als Momente einer lebendigen Einheit erkennt. Mathematische Formeln sind damit lediglich eine besondere Gestalt der Verstandeslogik, des Trennungsdenkens.

Die zweifelsbedingte N o t w e n d e t s i c h durch die Erschließung der dem Zweifel enthobenen I n n e n w e l t im Denken. Jene ist zugleich die Erschaffung der ä u ß e r e n Welt als E r s c h e i n u n g der inneren.

Der Autor müht sich an diesem Thema ab, dringt aber nicht zur Klarheit durch. Zwar wählt er als Ausgangspunkt den Prolog des Johannes-Evangeliums (Joh l). Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber er begeht den Fehler, die von der Äußerlichkeit herkommenden Gedankendinge der Informatik und Mathematik einzusetzen, ohne diese einer Kritik zu unterziehen. Auch an dieser Stelle steht er außerhalb der Geistesgeschichte.

Luther übersetzt Johannes:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.

Dasselbe war am Anfang bei Gott.

Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, was gemacht ist.

In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht des Menschen.“

Das ist eine großartige Stelle.

Goethe kritisiert im Faust die Luther’sche Übersetzung:

„Ich kann das Wort so hoch nicht schätzen. Ich muß es anders übersetzen: ‚Am Anfang war die T a t .“

Im Gespräch mit Otto Wegener ging Adolf Hitler über Goethe noch hinaus, indem er diese Stelle übersetzte:

„Am Anfang war der T r i e b „.

Hitler kommt damit mit Hegel überein, der Gott (den Begriff) als Trieb bestimmt. Das aber nicht als weitere Übersetzung des Johannes-Wortes, sondern mit der Entfaltung des Begriffs im Denken.

In der Informatik geht es um A b b i l d u n g von Bedeutungen in Bits und Bytes, nicht um Selbsterzeugung (Leben) von Bedeutung aus dem Begriff.

In der Bedeutung eines Zeichens (Wortes) erscheint Gott für sich selbst. In der Information ist die Bedeutung lediglich g e s p i e g e l t ; sie ist nicht das, was man E r s c h e i n u n g nennt.

Die richtige (Kurz)fassung der Zweireiche-Lehre findet sich im „Chorus Mysticus“, mit dem Goethe seinen Faust schließt:

„Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.“

Gleichnis wofür? Für das Leben Gottes oder den lebendigen Gott, der nicht in einem Jenseits thront und gütig auf uns herabschaut und uns behütet.

In der Immanenz-Anschauung ist der Mensch die Erscheinung Gottes, der im Denken das Leben Gottes führt. So ist er nicht mehr der kindhafte Geist. Vielmehr steht er in der Pflicht , Gott zu verantworten, d.h. sein Selbstbewußtsein hervorzubringen. Es ist das das Wesen des Erwachsen-Seins. Im Menschen gibt Gott sich die Antwort auf die Frage: Was bin ICH? Sünde ist das Leben, von dem er sagt: „Das b i n ICH nicht und das will ich nicht sein.“

Um dieser n e g a t i v e n Erkenntnisleistung willen ist Gott dem Sünder gnädig. Die in der Reue gewonnene Einsicht erlöst den Sünder. Das ist die Wahrheit der Erleuchtung, daß Jesus mit seinem Tod am Kreuz die Sünden der Welt auf sich genommen hat. (vgl. dazu meinen Brief an den Rabbiner Nußbaum)

Nicht um der Lust willen ist uns das Leben gegeben, sondern als Dienst für die Antworten auf die Fragen, die Gott sich stellt.

Schlimmes Schicksal für ein vereinzeltes Individuum wird leicht verkannt und für eine S t r a f e Gottes gehalten. Gleichartiges und gleichzeitiges Schicksal vieler Individuen bringt dagegen die Einsicht in ein Allgemeines hervor, das nicht mehr als Strafe für sündhaftes Verhalten mißkannt wird. Leid wird so zur „Widerwärtigkeit“, ohne die Gott nicht wissen kann was er ist (Jakob Böhme)

Nur dieser Begriff von Gott als Einsheit (Identität) von Gott und Mensch rechtfertigt die Vergebung der Sünden aus Gerechtigkeit.

Gottfried Fischer scheint das Gottes-Reich in der Irrealität zu verorten. Wahrheit ist es ewig und unendlich wie Gott selbst, also immer Gegenwart und im Diesseits.: Es ist die Idee des Heils im Hegel’schen Sinne; d.i. die Übereinstimmung der Weltwirklichkeit mit dem selbstbewußten Willen Gottes. Übereinstimmung aber ist nur denkbar in Einsheit mit Nicht-Übereinstimmung, welches Verhältnis notwendig als Kampf bis hin zum Krieg (vgl. dazu Matth 24, 6-8 und 10,34-36 sowie 12,28).in Erscheinung tritt.

Eine Schrift vom Gottesreich der Ewigkeit ist für mich nur denkbar als Kampfschrift. Die findet man aber nicht in Gottfried Fischers Buch mit diesem Titel.

Sein Unternehmen, die Argumentation:

„Es ist wahr, weil es in der Bibel steht.“

zu retten, scheitert umfassend. Hegel zeigt, daß die Umkehrung gilt:

„Es steht in der Bibel, weil es wahr ist.“

Dieser Weg ist steinig. Auch der Teufel zitiert die Bibel (Hegel). (Noch) nicht alles, was in der Bibel steht, läßt sich im Denken als wahr erweisen.

Gottfried Fischer steht für eine Denkrichtung, die die bedeutensten Physiker, allen voran Einstein, Heisenberg, Niels Bohr, Max Planck, Steven Hawkins u.v.a. gebahnt haben, indem sie mit ihren Modellen u n b e a b s i c h t i g t die Grenzen des verständigen Denkens aufzeigten.

Das bekannteste Model dieser Art ist das von Einstein mit seiner speziellen Relativitätstheorie in die wissenschaftliche Debatte eingeführe, „Raum-Zeit-Kontinuum“. Vermutlich wußte Einstein nicht, daß vor ihm Hegel diesen Begriff herausgedacht hatte.

Wie nahe Einstein an das „neue Denken“ – an das Vernunftdenken – herangekommen ist, geht aus einem seiner Briefe an Niels Bohr hervor, in dem er letzterem die Frage stellte, ob der Mond auch dann noch existieren würde, wenn kein Mensch ihn sieht und deshalb nichts von seiner Existenz wüßte.

Schon in seiner Phänomenologie des Geistes zeigt Hegel unwiderlegbar, daß in diesem Falle der Mond nicht ist. Die Lösung des Rätsels bringt Hegel im Abschnitt A I „Die sinnliche Gewißheit oder das Diese und das Meinen“ mit dem Begriff des Allgemeinen bei (S. 82 – 92 in der Suhrkampausgabe von Markus Michel und Eva Moldenhauer, Werke Band 3) Dort ist im Denken entwickelt, was im Prolog des Johannes-Evangeliums („Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch(!) dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.“) nur erst als nicht hergeleitete Behauptung ausgesprochen ist.

Diese Stelle bei Hegel ist das Epizentrum des Deutschen Idealismus, der schon in Kürze die Welt erschüttern wird. Hegel leistet dort die letztgültige Widerlegung des philosophischen Materialismus. Auf nur 10 Seiten!.

Gottfried Fischer widerfährt das Mißgeschick, daß er an diesem Knotenpunkt der Menschheitsgeschichte in die falsche Richtung, in die Gegengeschichte, abbiegt. Im Denken ist er ein Reaktionär, indem er versucht, die Autorität der Heiligen Schrift wiederherzustellen.

Seine Einsichten als Physiker hätten ihn eigentlich in die andere Richtung – weg von der Theologie hin zur Philosophie – leiten müssen. Aber dazu hat es bei ihm offensichtlich nicht gereicht. Schade!

Aus Gottfried Fischers Schrift ist weder direkt noch indirekt eine Orientierung im Kampf um den „Neuen Himmel“ und die „Neue Erde“ (Off 21,1) zu gewinnen.

Mit herzlichen Grüßen

Horst Mahler