2019/08/04 „Auto auf Abruf“

Horst Mahler
z. Zt. JVA Brandenburg
Anton-Saefkow-Allee 22
14772 Brandenburg a.d. Havel

4. August 2019

Lieber A.

mein Mittagsschlaf war heute sehr produktiv. In dem Zwischenzustand „wühlte der Geist in sich” und fand Momente der Transformation der Zivilisation (und ich nehme an, daß das schon in Schubladen vieler „Zukunftsplaner” schlummert.

Der Weg philosphischer Erkenntnis praktischer Systeme geht von vorhandener Einzelheit zum Besonderen und von da aus zum Allgemeinen. Das Resultat verwirklicht sich auf dem Wege in umgekehrter Richtung.

Vorhandene Einzelheit ist „das Auto”. Das Besondere ist das Bedürfnis nach Mobilität. Das Allgemeine ist die Mobilitätswirtschaft als gesellschaftliches Subsystem.

Das Auto ist zur autonomen Fahrgelegenheit geworden. Das besondere Dasein der Fahrgelegenheit ist die logistische Infrastruktur, die Mobilitätsbedürfnis mit der einzelnen Fahrgelegenheit zusammenbringt. Das Allgemeine ist das System zur nachhaltigen Gewährleistung der individuellen Bewegung von A nach B.

Die Zukunft wird wie folgt aussehen:

Die redundanten Blechlawinen in den Städten und auf den interlokalen Straßen verschwinden durch Optimierung des Konsums der Ressource „Mobilität”.

Wie uns heute elektrische Energie und Trinkwasser all zugänglich sind, so wird es mit dem Bedarfsgut „Mobilität” sein.

Das Auto wird (jetzt schon) weiterentwickelt zum „Auto-on-Demand” (Auto auf Abruf). Dadurch wird die Gegenwart zuhandener Fahrzeuge im öffentlichen Raum minimiert (Behebung der Parkplatznot). Wir kennen schon „Car-Sharing” und elektronisches Parkplatzmanagement.

Das „Auto auf Abruf” wird via Internet vor Deine Haustür dirigiert, gleichfalls via Internet sind Fahrziel und Route programmiert. Du steigst ein, drückst auf den Startknopf und los geht’s. Am Zielort steigst du aus und gibst den Befehl an das System, daß „AaA” auf dem nächst-freien Parkplatz abzustellen. Der Preis für diese Dienstleistung wird elektronisch von Deinem Konto abgebucht. Die „AaA” sind genormt, in Bedarfsklassen gegliedert. So wie heute schon die Straßen ist das Gerüst der Mobilitätswirtschaft Eigentum der Gebietskörperschaften.

Die Untersysteme Straße, Schiene, Wasserstraße, Luftverkehr sind „durchlässig”, das heißt, deren Gebrauchsgüter sind beliebig über elektronische Steuerungssysteme kombinierbar.

In diesem System ist das Problem der Reichweitenbeschränkung bei Elektroautos nach dem Vorbild des Postverkehrs des vorindustriellen Zeitalters (Postkutschen im Netzwerk der Postmeistereien)  zu lösen. Die Tankstellen werden von Autohöfen mit entsprechenden Ladegerät-Kapazitäten abgelöst, die zugleich Umsteigeplätze sind. Das sachliche Transportgut ist containergespeichert und die Umladung daher leicht „händelbar”. 

Die Autofabriken werden in kleine Einheiten zerlegt und so zu den Autowerkern gebracht. Genossenschaftlich strukturierte Werkstatt-Teams (Belegschaften) werden Pächter der Produktionsstätten, die Eigentum des Gemeinwesens sind.

Durch ein geeignetes Effizienz-Monitoring werden schlecht wirtschaftende Produktionsgenossenschaften eliminiert und die frei werdende Produktionseinheit geht im Los-Verfahren an „frische Teams” (Hier lebt die Freimaurerei wieder auf).

Ursprünglich waren die Freimaurer selbständige Handwerkerteams, die nicht als Arbeitnehmer tätig waren, sondern sich als Genossenschaft jeweils an Auftraggeber verdingt hatten (meist Fürsten)

In diesem Genossenschaftssystem gehört die Arbeitskraft wieder dem Werkmann sie ist keine Ware mehr.

Hier endete der Mittagsschlaf. Traum oder Wirklichkeit?

Herzlichst,

Horst