Antwort an Ursula Haverbeck

Horst Mahler
Anton-Saefkow-Allee 22
14772 Brandenburg

09. Mai 2019

Liebe Ursula,

Briefe gehen auf wundersame Weise verloren. Manche tauchen nach Monaten wieder auf. Sie sind dann auf den Schreibtischen des Innenministeriums beschnüffelt worden, weil – sie könnten ja Sprengstoff enthalten. So ist das eben.

Benedikt XVI. gibt einen denkwürdigen Einblick in sein Weltbild – Gott kommt darin nicht mehr vor. Wäre es anders, würde er nicht nach Kausalitäten, sondern nach der Hand Gottes suchen.

Unsere Hände sind ein Gleichnis für das dialektische Prinzip des Be-greifens. Zwischen Daumen und Zeigefinger besteht eine Spannung, die auf den betrachteten Gegenstand Druck ausübt und ihn so für uns hält. Bei Gott ist es nicht anders.

Logisch ist der Zeigefinger Sein und der Daumen Nichts, die diese Bedeutung nur im Zusammen (Einsheit) haben. Das Begreifen (Erkennen) ist Affirmation, das Resultat des Denkens.

Benedikt XVI. versucht immer, nur mit dem Zeigefinger zu erkennen. Mit dem zeigt er immer auf andere, die schuldig seien. So erkennt er nichts.

Die 68er Bewegung und die Verluderung der katholischen Kirche stehen nicht im Nexus der Kausalität. Sie sind Ausdruck ein und desselben, des Verlustes der Ordnung, ohne die Leben nicht möglich ist.

Der Wurzelpunkt des nun schon offensichtlichen Ordnungsverlustes ist die Zerstörung der Familie im Sinne der Zucht, der gebändigten Triebhaftigkeit der Natur.

Das Wesen der 68er Bewegung ist die Erkenntnis, daß die tradierte, also noch nicht in ihrer Notwendigkeit erkannte Ordnung auch Unfreiheit ist.

Geschichte ist Fortschritt des Geistes im Bewußtsein der Freiheit. (Hegel)

Das Judentum ist der spirituelle Daumen – die Widerwärtigkeit im Sinne der Böhmischen Philosophie.

Der Weltgeist fasst mit Daumen und Zeigefinger das Vorfindliche, um es zu begreifen.

So wie man erfährt, daß ein – nur erst vorgefundener – Apfel eine süße Frucht ist, indem man reinbeißt und ihn so zerstört, beginnt Befreiung mit der Zerstörung des Vorfindlichen, dessen Notwendigkeit – die Süße des Apfels – erst im Verlust wahrnehmbar wird.

Der Weltgeist hat lange daran gearbeitet, die Fülle der Mißstände herauszuwürgen, um die Leere des Daseins zu erzeugen, die jetzt den „Horror Vacuii“ als produktive Kraft stimuliert, die im Geiste, das heißt mit Einsicht in die Notwendigkeit die lebenswichtige Ordnung bewußt und gewollt, das heißt in Freiheit wieder herstellt.

Das Zerstörungswerk der 68er-Bewegung war/ist notwendig für die Gründung der Ordnung als Freiheit.

Der Untergang der katholischen Kirche gerade im Mißbrauchsskandal ist notwendig, um den Weg frei zu machen für ihre Auferstehung als von dogmatischen Fesseln befreite Gemeinde Christi, die sie zu keinem Zeitpunkt war – noch nicht sein konnte, weil Gott noch nicht wußte, daß er Logos ist. Der Prolog zum Johannesevangelium war erst ein Vorwissen seines Seins.

Sie hatte sich anfällig gemacht mit dem Zwangszölibat für ihre Priester und dem fehlgedeuteten ehelichen Monogamiegebot für Christen (Tugend der Heuchelei). Die Exklusivität der Familienbande wurde von der Kirche vernunftwidrig als Verbot der außerehelichen Sexualität gedeutet. Diese Vernunftwidrigkeit ist die gewalttätigste Zerstörung der Familie, die sich in der Gegenwart zur schlimmsten Zivilisationskrankheit ausgewachsen hat. Die Ehe ist dadurch zur Spottgeburt verkommen. Fast möchte man sie ganz begraben, um damit wenigstens das unappetitliche Konstrukt der „Ehe für alle“ wieder loszuwerden.

Die Familie ist um des Kindes willen gestiftet, das das ewige Leben eines Volkes ist. Das Sakrament der Ehe ist die geschworene Verantwortung eines Elternpaares für das Kind. Diese Verantwortung ist der Prägestempel, der den Menschen als Geistwesen kenntlich macht.

Kinder, die außerhalb einer intakten Familie aufwachsen, sind im Zweifel irreparabel geschädigt. Hier ist der Mensch als Gemeinwesen – Staat, Gesetzeswille – vor die gewaltigsten Herausforderungen gestellt.

Daß die katholische Kirche nur noch eine rauchende Ruine ist, zeigt sich am deutlichsten in ihrem Versagen, den Menschen im Mutterleib vor Meuchelmord zu schützen.

Christliche Kirche ist Kampfgemeinschaft. (Matthäus 10, 34f)
Gibt es überhaupt noch Christen? Heidegger scheint das zu bezweifeln. Er schrieb 1946:

Daß die jetzt in Deutschland – im besetzten wohlgemerkt – in Gang gebrachte Tötungsmaschinerie etwas anderes leisten soll als die vollständige Vernichtung, das können nur noch liberale Demokraten und sogenannte Christen glauben machen wollen.“ (Heidegger, Gesamtausgabe 97, 148)

Diese Tötungsmaschinerie – ein Perpetuum mobile – läuft nun schon 73 lange Jahre. Ich bin immer wieder erstaunt, um nicht zu sagen entsetzt über das primitive Reflektionsniveau allgemein und besonders der Kurie. Es ist, als hätte es die abendländische Denkkultur, die griechische und deutsche Philosophie nie gegeben.

Geradezu beunruhigend ist der Umstand, daß die Christenheit offensichtlich die Fähigkeit eingebüßt hat, sich wahrhaft zu empören. Sie scheut den Kampf für ihre Werte. Ihr ist das Leben lieber als die Freiheit und ist auch darin der Judenheit gleich geworden. Deshalb kann sie auch den Dschihadismus nicht verstehen.

Im Fernsehen häufen sich Beiträge, in denen der Kulturverfall thematisiert wird, aber mit der Tendenz ‚ist ja nicht so schlimm und der Morast hat auch liebenswerte Seiten‘. Das ist schwer auszuhalten.

Erst gestern (09.04.2019) lief im ZDF ein Rührstück mit Dieter Hallervorden, das die Botschaft transportierte, die kulturbewußten Deutschen sind eigentlich die Bösen, passen nicht mehr in die Zeit. Hallervorden spielte einen pensionierten Studiendirektor, Fachrichtung Deutsch, Latein, Altgriechisch. Filmtitel: Das Ekel. Die Versöhnung vollzog sich dadurch daß das Ekel seine Maßstäbe aufgab, weich wurde und die UN-Familie – Mutter deutsch, Analphabetin, alleinerziehend, 3 Kinder, 3 Väter (deutsch, türkisch, afrikanisch) – lieben lernte.

Die Mutter wurde als Heldin dargestellt, weil sie bereit war, auf den Strich zu gehen, um Schulden ihres Sohnes bei Rauschgiftdealern bezahlen zu können. Das geht so auf allen Kanälen – 24 Stunden am Tag.

Die Fern-Seher merken es nicht, sie zücken die Taschentücher. Lies Matthäus 24, dort ist die Geschichtsdialektik abgebildet.

Goethe schrieb über das „Völkchen“:

So lang die Ordnung steht, so lang hats nichts zu hoffen. (Jahrmarktsfest zu Plundersweilern)

Kopf hoch

Horst Mahler

 

 

 

 

Autor: endederluege

Hier stehe ich, Henry Hafenmayer, ehemaliger deutscher Lokführer. Ich kann dem Völkermord an meinem Volk nicht mehr tatenlos zusehen. Ich tue meine Pflicht. Ich tue was ich kann.

2 Kommentare zu „Antwort an Ursula Haverbeck“

  1. Vielleicht liegt unser Held, H. Mahler, doch falsch ?… Gott, ja, selbstverständlich ! Ohne DAS GOTT ist Leben,
    ist unsere für uns Menschen GESCHAFFENE Erde undenkbar ! undenkbar ! „Gott ist Gott“ (Hegel, wenn ich den
    verstanden haben sollte ?) Aber der Buchgott ? Das Christentum, diese „Hundeideologie“ (Marx, hier
    ausnahmsweise ‚mal richtig ?), wider die von DAS GOTT geschaffene Natur – wonach der Schwächelnde
    unweigerlich nach eben GOTTES Gesetzen gefressen wird ? Hat unser großartiger Hegelianer hier dem
    Buche evtl. zu viel Bedeutung zugemessen ? Ist das Buch von Gott ? AT : Aug‘ um Aug‘ – Zahn um Zahn !
    NT : der genaue Gegenentwurf ! Welches ist der bessere Weg zur Macht ? „Wer sich zum Wurm macht, darf
    sich nicht wundern, wenn er getreten wird „, sagten unsere Altvorderen…

    Liken

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