Fortsetzung 3 im theologischen Diskurs

Horst Mahler im März .2020

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Sie fragen:

Wie denn ist das Judentum in die Welt gekommen? Ist es eine schlichte Erfindung von Moses?”

Wäre „das Judentum” eine „Erfindung Moses”, könnten wir uns heute darüber nicht unterhalten weil wir nichts von Mose wüßten. Er wäre vergessen.

Hoffnungsfroh stimmt mich der Umstand, daß Sie „das Judentum”
o f f e n s i c h t l i c h 
nicht auf die Gene der Hebräer zurückführen. Das bringt uns einander näher.

Vermutlich sind Sie schon mal Menschen begegnet, von denen Sie meinten, daß sie „wirres Zeug” in ihrer Rede von sich geben, was auch andere, die Zeuge wurden, so beurteilten.

Sie haben – wie jeder „vernünftige” Mensch – in sich eine Instanz, die gänzlich unabhängig von Ihrem Willen und Ihren Vorlieben darüber urteilt, was in Reden als „wirr” oder „normal” rüberkommt. Was ist das „Wesen” dieser Instanz?

Ihnen wird von Markus Springer (Sonntagsblatt vom 13.03.2016) der Satz zugeschrieben: „Koraner dürfen eingeladen werden, dort zu leben,
w o   d a s   L e b e n 
n a c h   i h r e n
VORSTELLUNGEN   o r g a n i s i e r t
u n d   e i n g e t e i l t   i s t .” – Bravo!

Würden Sie sich das nicht auch für Juden wünschen, wenn ein „WO” ihr EIGEN wäre, das nach ihren Vorstellungen „organisiert und eingeteilt ist”?

Wenn „eines Mannes Rede” ein ganzes Volk dazu bringt, sein Leben nach jenen Worten zu organisieren und einzuteilen, läge es dann nicht nahe, in den Genossen dieses Volkes etwas zu suchen, das den Worten dieses einen Mannes G l a u b e n schenkt – so stark, daß er Berge versetzt?

Und verdanken wir diesem WUNDER, das an die Dreieinhalb Jahrtausende zurückliegt, nicht unser Gespräch darüber?

Spricht nicht schon „der Beweis des ersten Anscheins” dafür, daß Moses Lehre im Volk der Hebräer – wie ein Embryo im Mutterleib – schon voll ausgebildet lebendig war, und Moses würde sie nur w a c h g e r u f e n haben?

Nun, Hegel hat es nicht beim „Beweis des ersten Anscheins” belassen, sondern ist „den Dingen auf den Grund gegangen”.

Er hat den GEIST (Joh 4, 24) – zwar nicht entdeckt -, aber als BEGRIFF (Logos, Joh 1) im Geist (Denken) erforscht.

Der Geist ist uns unmittelbar (nicht „gegeben”!). Das ist Ur-Erfahrung eines jeden Ich. Was in dieser Erfahrung liegt, hat Hegel im Denken gezeigt und damit die Antwort auf die Frage gegeben: „Was ist der Geist?”. Die Antwort ist das WISSEN, das Gott mit der Deutschen Idealistischen Philosophie von sich erlangt hat. Und GOTT i s t , was er von sich weiß.

Um einen Eindruck zu vermitteln, was den erwartet, der sich auf d i e s e n Gott einläßt, füge ich im Anhang die Inhaltsübersicht bei, die Hegel seinem Werk gegeben hat.

Auch, wer sich auf diesen Gott nicht einläßt, hat Religion; aber eine Religion der Ohnmacht Gottes, der ohnmächtig deshalb ist, weil er sich vom VERSTAND, dem jüdischen Prinzip der Trennung von Gott und Mensch, noch nicht befreit hat. Frei ist der Geist nur in der ihm eigentümlichen Form, dem DENKEN. So ist der Geist selbst der „Hervorbringer seiner Freiheit”.

Sie selbst haben diese Ohnmacht erfahren, indem Ihnen der Gedanke der Trinität Gottes verschlossen geblieben ist, wenn es zutrifft, was als Zitat Ihnen im „Sonntagsblatt” zugeschrieben ist, nämlich, daß der „hanebüchenen Trinitätslehre – dem einzigen Punkt, wo ich mit dem Islam übereinstimme”, die Überzeugungskraft mangele.

Wie geht das mit Ihrem Bekenntnis zusammen, daß die „mutwillige Trennung von Schöpfer und Schöpfung”, Ihnen als „die Ursünde aller ‚Theologie’ (erscheine)”?

Die „Trinitätslehre” ist ein bildhafter Ausdruck der abstraktesten „Definition” Gottes: Der „Identität von Identität und Nichtidentität” (Hegel W5, 74). Mit ihr ist die Trennung aufgehoben.

Die gesuchte Instanz, die unser subjektives Tun – das Denken – richtet, ist das, was im Johannesevangelium „Geist” genannt ist (Joh 4,24).

Ihre pietistische Prägung ist mit dem GEIST „aneinandergeraten”. Das Ereignis hat Sie als Totalschaden zurückgelassen. Diesen hat Hegel in seiner „Phänomenologie des Geistes” analysiert (W3,560).

Ich will versuchen, Ihnen diese Stelle aufzuschließen.

Markus Springer porträtiert Sie im „Sonntagsblatt” unter anderem wie folgt:

C. ist in Großhabersdorf bei Fürth auf einem Bauernhof aufgewachsen, in einer ‚stramm protestantischen Familie’, wie er sagt, der Vater im Kirchenvorstand und im Posaunenchor, weil das halt dazugehörte auf dem Dorf. CVJM und evangelische Jugendarbeit haben ihn dann zum Theologiestudium geführt, in Erlangen und Neuendettelsau. Musik war immer wichtig, vor allem aber  d a s   l e i d e n s c h a f t l i c h e   M o m e n t  in der pietistischen Frömmigkeit. Auch deren Entschiedenheit gegenüber lauen Halbherzigkeiten hat ein kritisches Potenzial, mit dem sich bestehende Verhältnisse infrage stellen lassen.”

So verortet ist Ihr Einsatz für PEGIDA konsequent. Ihr Hadern mit dem Trinitäts-Dogma kündigt einen Durchbruch an. Mal sehen, ob er gelingt.

Jesus hatte ja die Gemeinde als seinen realweltlichen Leib bestimmt. Hegel:

Das Bewußtsein der Gemeinde … hat ihn (den Geist) zu seiner
S u b s t a n z , ebenso als er ihre  G e w i s s h e i t  des eigenen Geistes ist” (Hegel W3, 558).

In der Gemeinde Christi wird die Substanz zum S u b j e k t .

Hegel leistet sich hier eine grundsätzliche Kritik der Kirche als solcher ohne dies für Aussenstehende deutlich werden zu lassen. Der Zeitgeist ließ diese noch nicht zu öffentlicher Erörterung zu.

Ausgangspunkt ist das Verschwinden Jesu als Verschwinden des unmittelbaren Bewußtseins, das ihn sinnlich sah und hörte, das „diesen gegenständlichen Einzelnen, nicht aber sich selbst als Geist weiß” (W3, 556).

Was geschieht?

In dem Verschwinden des unmittelbaren Daseins des als Absoluten Wesens Gewußten erhält das Unmittelbare sein negatives Moment; der Geist bleibt unmittelbares Selbst der Wirklichkeit, aber als  d a s  a l l g e m e i n e   S e l b s t b e w u ß t s e i n   der Gemeine, das in seiner eigenen Substanz ruht, so wie diese in ihm allgemeines Subjekt ist; nicht der Einzelne für sich, sondern zusammen mit dem Bewußtsein der Gemeine, und das, was er für diese ist, ist das vollständige Ganze desselben” (a.a.O.)

Und jetzt – wie man so schön sagt – kommt es ganz dicke.

Was er (der Geist Jesu) für diese (die Gemeine) ist”, ist das Wirkliche. Das ist der Schlüssel für die Enträtselung der Kirchengeschichte. Hegel stößt hier zum Wesentlichen vor:

V e r g a n g e n h e i t und E n t f e r n u n g sind aber nur die unvollkommene Form, wie die unmittelbare Weise vermittelt oder allgemein gesetzt ist; diese ist nur oberflächlich in das Element des Denkens getaucht, ist a l s sinnliche Weise darin aufbewahrt und mit der Natur des Denkens selbst nicht in eins gesetzt. Es ist nur in das V o r s t e l l e n  erhoben, denn dieses ist die synthetische Verbindung der sinnlichen Unmittelbarkeit und ihrer Allgemeinheit oder des Denkens” (a.a.O.).

Hier legt Hegel den Finger in die Wunde, die sich mit der „Aufklärung” entzündet hat und als „Moderne” dem christlichen Abendland den Garaus gemacht hat.

Hegel fährt fort:

Diese F o r m  d e s  V o r s t e l l e n s  macht die Bestimmtheit aus, in welcher der Geist in dieser seiner Gemeine seiner bewußt wird” (a.a.O).

Man kann Hegels Werk als eine einzige Darstellung der OHNMACHT des
V o r s t e l l e n s lesen. Verohnmächtigt ist der Geist Jesu und damit die Welt der gegenwärtigen Apokalypse vollständig gedeutet.

Weiter bei Hegel:

Sie (die Form des Vorstellens) ist noch nicht das zu seinem Begriffe als Begriffe gediehene Selbstbewußtsein desselben; die Vermittlung ist noch unvollendet. Es ist also in dieser Verbindung des Seins und des Denkens der Mangel vorhanden, daß das geistige Wesen noch mit einer unversöhnten Entzweiung in ein Diesseits und Jenseits behaftet ist” (a.a.O).

Das ist nun nichts weniger als der Hinweis, daß die Dogmatik der christlichen Kirchen in der Sackgasse des Judaismus, dem Prinzip der Trennung von Mensch und Gott, gelandet ist. Der Kampf der katholischen Kirche gegen die Deutschen Mystiker ist in dieser Perspektive als Hilfsdienst für Jahwe zu deuten.

Der Pietismus suchte wieder die Nähe zu den Mystikern. Vielleicht ist es dieses Moment, das Sie umtreibt. Vielleicht gelingt es Hegel, die Jesuaner Ihres Schlages wieder mit Christus zu versöhnen, denn

Der I n h a l t ist der Wahre, aber alle seine Momente haben, in dem Elemente des Vorstellens gesetzt, den Charakter, nicht begriffen zu sein, sondern als vollkommen selbständige Seiten zu erscheinen, die sich ä u ß e r l i c h aufeinander beziehen” (a.a.O.).

Quasi ins Stammbuch der Deutschen, die ihr Volk lieben, schrieb er an dieser Stelle:

Daß der wahre Inhalt auch seine wahre Form für das Bewußtsein erhalte, dazu ist die höhere Bildung des letzteren notwendig, seine Anschauung der absoluten Substanz in den Begriff zu erheben und
f ü r   e s   s e l b s t   sein Bewußtsein mit seinem Selbstbewußtsein auszugleichen, wie dies für uns oder  a n  s i c h  geschehen ist” (a.a.O.).

Sich in dieser Lage als „Jesuaner” zu verstehen, ist der Ritt in eine Sackgasse. Ja, ich bin Christ. Jesus ist nur ein nichtssagender Name. Sein Träger ist wirklich „Erlöser” – Christus. Wovon? Vom Vernichtungswillen des eifersüchtigen Jahwe.

Wo bleibt Ihr Beitrag?

Gott ist, als was er sich weiß. Es folgt, daß die Kirche den von Jesus offenbarten Gott überhaupt noch nicht in sich hat, weil das vorstellende Denken ihn nicht zu fassen vermag.

Sie leiden darunter. Unbewußtes Leiden ist in „leidendes Bewußtsein” zu erheben. Dann setzen Selbstheilungskräfte ein. Hegel macht das Leiden bewußt:

Insofern über die Form des Vorstellens und jener Verhältnisse, die aus dem Natürlichen hergenommen sind, und damit besonders auch darüber hinaus gegangen werden muss, die Momente der Bewegung, die der Geist ist, für isolierte nicht wankende Substanzen oder Subjekte statt für übergehende Momente zu nehmen, ist dies Hinausgehen … für ein Drängen des Begriffes anzusehen; aber indem es nur Instinkt ist, verkennt es sich, verwirft mit der Form auch den Inhalt (das ist es wohl was Ihnen widerfahren ist?/HM) und, was dasselbe ist, setzt ihn zu einer geschichtlichen Vorstellung und einem Erbstücke der Tradition herab; hierin ist das rein Äußerliche des Glaubens nur beibehalten und damit als ein erkenntnisloses Totes; das I n n e r l i c h e desselben aber ist verschwunden, weil dies der Begriff wäre, der sich als Begriff weiß” (Hegel W3, 560).

Gegen den Inhalt zu rebellieren statt die Form zu zerbrechen, die ihn hinter dem Berge hält, heißt sein Leben vergeuden – oder?

Das Vorstehende wäre auch nur „Klage” über die Welt, wie sie i s t. Es kommt aber darauf an, zu erkennen, daß es in der Weltgeschichte
v e r n ü n f t i g  zugeht.

Die Abwendung von der Welt ist die Grundhaltung des
O r i e n t a l e n.  Dieser erlebt seine Welt nicht als Herausforderung, sondern als
S t r a f l a g e r.  All sein Trachten ist darauf gerichtet, daraus zu entkommen.

Das Judentum bildet hier den Übergang, indem es wähnt, von seinem Gott auserwählt zu sein, die Welt zu versklaven bzw zu vernichten. Diesem Willen sich mit blindem Gehorsam hinzugeben, ist für die Judenheit die Herausforderung.

Diese ist aber erst abstrakt. Ihr Zweck ist die B e l o h n u n g. Diese schafft keine
W i r k l i c h k e i t.

Erst bei den nordischen Völkern wird die Welt zur konkreten, d.h. inhaltsvollen Herausforderung, die deshalb die Möglichkeit der
G l ü c k s e l i g k e i t  ist, indem die Welt dem Menschen sein göttliches Wesen  a n s c h a u b a r  macht. Religion wird zur

W e l t a n s c h a u u n g.

Erst in diesem Verhältnis wird W e l t Gegenstand der
E r k e n n t n i s. In ihr ist die Wirklichkeit Gottes zu erkennen. Diese aber ist mit dem V e r s t a n d nicht zu fassen. Not ruft die höhere Gestalt des Denkens, die V e r n u n f t , in das Selbstbewußtsein, daß sich als Unterschied zum verständigen Denken e r f ä h r t und in dieser Erfahrung den Geist als E n t w i c k l u n g seiner selbst erfasst.

Sie fragen mich: Wie kommt der Opa in den Säugling?
und
Kann jeder Säugling Opa werden?

Jetzt will er mich veräppeln” – werden Sie im Off sprechen.

Natürlich „veräppele” ich Sie nicht. Ich nehme nur die in Ihren Fragen wirkende Logik „ernst”.

Ihre Frage: „Wie denn ist das Judentum in die Welt gekommen?”
Die Logik: Die Welt ist das Eine; das Judentum das Andere.
Sie fragen nicht: Wie kommt das Denken vom EINEN zum ANDEREN?
Präziser: Wie kommt das Denken zum EINEN?

Im logischen Anfang hat das Denken nur sich: Ich denke, also bin ich.

Hier mache ich eine Pause und warte ab, ob Sie Lust haben, sich auf meine Querulanz einzulassen.

Mit kameradschaftlichen Grüßen

Horst Mahler

Autor: endederluege

Hier stehe ich, Henry Hafenmayer, ehemaliger deutscher Lokführer. Ich kann dem Völkermord an meinem Volk nicht mehr tatenlos zusehen. Ich tue meine Pflicht. Ich tue was ich kann.

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