Brief an B 3 – 30.12.2017

Horst Mahler, Brandenburg

30. Dezember 2017

Lieber Herr B.

Ich beginne mit dem Schlußteil Ihres Briefes vom 18.12.2017.

Mir fällt daran eine bemerkenswerte Inkonsequenz auf.

Einerseits erklären Sie Ihre Haltung zu der von mir „postulierten Vision eines reformierten Nationalsozialismus“ zu orientieren an von mir „geäußerten oder niedergeschriebenen politischen Äußerungen“, setzen aber den Nachweis durch eine „Ortsverlagerung“ in Hitlers „Mein Kampf“. Ich versichere Ihnen, daß ich nicht der Verfasser dieser bedeutenden Schrift bin.

Welche meiner Äußerungen könnten Sie meinen?

Ich kann Ihnen gerade noch verzeihen, daß Sie meine Kritik am historischen Nationalsozialismus nicht kennen. Diesen „weißen Fleck“ aber mit einem Rückgriff auf Hitlers Werk zu verdecken ist ein nicht hinnehmbares Gebaren. ;-(

Kleine Kostprobe aus Eigenanbau:

Der von Deutschen in der Vergangenheit unternommene Versuch, die jüdischen Menschen auf grausame Weise mit Gewalt aus der Volksgemeinschaft zu entfernen, beruhte auf einer verhängnisvollen Biologisierung des Problems. Hitler hat zu spät erkannt, (In einem Gespräch gegenüber Bormann bekannt), daß die Juden eine „geistige Rasse“ seien. Darin liegt, daß der Judaismus nicht durch physische Gewalt, sondern nur geistig – also in Freiheit – überwunden werden kann. (Horst Mahler „Guten Tag, Herr Friedmann“, 2. Auflage, Malmö 2001 Seite 75)

Hitler hat das deutsche Volk zum Aufstand gegen die verdeckte jüdische Fremdherrschaft geeint. Er war Realist genug um zu wissen, daß das Judentum seine Hilfstruppen gegen das Deutsche Reich schicken würde. In einem Gespräch zu dritt – Hitler, Rudolf Heß und Otto Wagener (damals Stabschef der SA und enger Mitarbeiter Hitlers) – äußerte Hitler:

„Wenn aber wir z.B. eine solche Sozialwirtschaft durchführen wollen und einen Staat dazu einrichten würden, ähnlich wie die Herrschaft des Proletariats, wie sie es so herrlich nennen, dann sollen Sie einmal sehen, wie beide Gruppen über uns herfallen, die liberalistischen
Schmarotzer der Methode der Vergangenheit und die marxistisch-bolschewistischen Schmarotzer der neuen Methode. Und da sie ihre Völker, obwohl sie nur 2-5% bei ihnen ausmachen an Zahl, fest in der Hand haben, werden sie diese Völker über uns herjagen! Denn nun sind wir beiden gefährlich: den einen, weil wir uns von ihnen frei machen wollen, und den anderen, weil wir ihnen mit unserer Sozialwirtschaft schon wieder das Wasser abgraben.”1

Hitler mag die Juden gehaßt haben. Das ist naheliegend, weil er noch nicht die Juden als eine Gestalt Gottes, als ein Moment des göttlichen Lebens erkannt hatte. Das ist aber ohne Bedeutung für die Deutung seines Wirkens als Geschäftsführer des Weltgeistes.

Ein Seitenblick:

„Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; sehet zu und erschrecket nicht, denn das muß so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende.“ (Mathäus 24,6)

Die Gegnerschaft (Feindschaft) zwischen Judentum und Christentum ist zwar absolut – d.h. sie ist nicht bestimmt durch endliche Interessen (Macht, Reichtum, Land, Existenz, Sicherheit, usw.) – aber nicht unversöhnlich. Jahwe erscheint sich im Volk der Hebräer aber er weiß sich in ihm erst als ein Gott unter vielen Göttern (Götzen). Das er als U n s c h a u b a r DER EINE ist, liegt ihm noch hinter seinem Horizont. Er strebt danach den Widerspruch zwischen seiner Selbstwahrnehmung und seinem Wesen auf abstrakte Weise aus seiner Wahrnehmung zu löschen, indem er die „Götzen“, die anderen Völker, beseitigt. Dabei sind die Hebräer seine „Hände“ die dieses Werk für ihn vollbringen. Seinen Irrtum bemerkt er nicht. Dieser besteht darin, daß er die Völker nicht als besondere Gestalten DES EINEN erkennt, der ER selbst ist.

Erst durch den Kampf auf Leben und Tod, um Anerkennung, in dem er zunächst mit dem Christentum, dann mit dem deutschen Volksgeist bis auf den heutigen Tag verwickelt ist, erfährt er seine Dieselbigkeit (Identität) mit seinem Kontrahenten. In dem Augenblick, in dem diese Erfahrung aus dem Reich der Vorstellung in das Reich des bilderlosen reinen Gedankens übergeht, ist die Versöhnung vollbracht.

Der versöhnende, logische (reine Gedanke) ist die Einsicht, das EINS Komplettion vieler EINS ist – und anders gar nicht ist.

Von der Vielgötterei – beispielsweise der antiken Griechen – unterscheidet sich der logische Gedanke des EINS, das EINS im Auseinandergehen in Komplettion b e i s i c h b l e i b t, das andere EINS, kein selbstständiges Bestehen hat, sondern nur eins, wie jedes, der vielen EINS ist.

In Äußerlichkeit erscheint dieser reine Gedanke in der BOOLSCHEN Algebra in der gilt A.+ A.+A.+…=A. Diese Algebra ist das Fundament der Informationstechnologie.

Diese – allein in der Philosophie zu vollbringende – Versöhnung, ist ein höheres Selbstbewußtsein Gottes überhaupt, das alle bisherigen Vorstellungen, deren Wirklichkeit die vorhandene Welt bestimmen, revolutioniert: Die Erde und den Himmel „neu macht“ (Off. 21,1)

Das Innenleben des logischen Gedankens „EINS“ entwickelt Hegel im ersten Abschnitt seiner „Wissenschaft der Logik“ (W. 5,82 – 200). Ausgangspunkt ist die Entdeckung, der Dieselbigkeit von Sein und Nichts.

Die Wirklichkeit (das Wirken) dieser Logik nicht i m sondern im Bezug auf das Bewußtsein zeigt Hegel in seiner „Phänomenologie des Geistes“.

Hegel gab diesem Werk zunächst den Titel „Wissenschaft der Erfahrung des Bewußtseins“. Er hat ihn später geändert, um der Tatsache Rechnung zu tragen, daß die dargestellte Erfahrung, die Aufhebung des Standpunktes des Bewußtseins, in dem das Wissen und sein Gegenstand noch unterschieden sind, beinhaltet und der zunächst gewählte Titel das wesentliche Resultat der Entwicklung nicht zum Ausdruck bringt.

Wir werden uns in endlosen Scheingefechten verlieren, wenn nicht die K e n n t n i s der heilsgeschichtlichen Logik, der hegelschen Logik, zugrunde liegt.

Das wird sich zugleich am ersten Teil Ihres Briefes vom 18.12. 2017 zeigen.

Ihnen gerät die Weltgeschichte zu einem Epiphänomen.

Sie wäre nur die Wiederholung eines schon existenten, also überflüssig wie ein Kropf:

„… muß … die Zukunft … sprich: (der) weiterentwickelte Bewußtseinszustand … schon irgendwo „abgebildet“ sein und damit objektiv vorhanden sein.“

Wozu dann Welt (Mensch) überhaupt?

Die Eichel ist Trieb Baum zu werden. Dieser erst ist ihre Wahrheit. Wäre sie Bewußtsein, wüßte sie im Anfang sich noch nicht als Baum. Sie entwickelt sich und erfährt sich zunächst als zweigeteiltes Keimblatt. Hat sie dieses in sich hervorgebracht, „dämmert“ ihr alsbald, daß das noch nicht alles ist was „in ihr steckt“ sondern jetzt der Trieb sie drängt über ihre Keimblattgestallt hinauszugehen usw.

Was ist der Trieb des Geistes? Die Freiheit. Als Bewußtsein und Wille ist der Geist frei, wenn er durch nichts bestimmt ist das er nicht selbst ist.

Als Denken ist Bewußtsein bestimmt durch seinen Gegenstand. Es gibt kein gegenstandsloses Bewußtsein.

Im Ausgangspunkt (Ursprung) erfaßt sich Bewußtsein als in der Weise von seinem Gegenstand bestimmt, daß dieser auch dann noch ist, wenn es selbst nicht mehr ist.

Hegel zeigt in der Phänomenologie, daß dieses Bewußtsein sich irrt.

Diese Erfahrung drängt das Bewußtsein in sich zurück. Es setzt jetzt sich als „die Wahrheit“. Es erfährt nun an sich selbst, daß es damit nicht aus dem Irrtum heraus ist. Es bleibt ihm aber die von Descartes ausgesprochene Gewißheit, daß, indem es denkt, Sein ist. Diese Gewißheit führt es in die Erkenntnis, daß die Seinsgewißheit als B e z i e h u n g des Subjekts (eines Wissenden) und des Objekts (eines Gewußten) ist.

Mit dieser Gewißheit wendet es sich jetzt notwendig dem Gegenstand als solchen zu, fragt danach, wie dieser im Bewußtsein ist. Dieser ist nächstens ein HIER und ein JETZT. Es meint, daß es mit diesem etwas Festes zu Grunde liegend hat.

Es nimmt sich das JETZT vor. JETZT ist Mittag. Es schreibt diese Wahrheit auf. Legt den Zettel beiseite. Als es diesen sich wieder vornimmt, ist es Abend. Es schreibt auf: „Jetzt ist Abend“. Die erste Wahrheit ist vergangen.

Im Denken aber ist immer JETZT. Was also ist „JETZT“?

„Das Jetzt, welches Nacht ist, wird aufbewahrt, d. h. es wird behandelt als das, für was es ausgegeben wird, als ein Seiendes; es erweist sich aber vielmehr als ein Nichtseiendes. Das Jetzt selbst erhält sich wohl, aber als ein solches, das nicht Nacht ist; ebenso erhält es sich gegen den Tag, der es jetzt ist, als ein solches, das auch nicht Tag ist, oder als ein Negatives überhaupt. Dieses sich erhaltende Jetzt ist daher nicht ein unmittelbares, sondern ein vermitteltes; denn es ist als ein bleibendes und sich erhaltendes dadurch bestimmt, daß anderes, nämlich der Tag und die Nacht, nicht ist. Dabei ist es eben noch so einfach als zuvor, Jetzt, und in dieser Einfachheit gleichgültig gegen das, was noch bei ihm herspielt; sowenig die Nacht und der Tag sein Sein ist, ebensowohl ist es auch Tag und Nacht; es ist durch dies sein Anderssein gar nicht affiziert. Ein solches Einfaches, das durch Negation ist, weder Dieses noch Jenes, ein Nichtdieses, und ebenso gleichgültig, auch Dieses wie Jenes zu sein, nennen wir ein Allgemeines; das Allgemeine ist also in der Tat das Wahre der sinnlichen Gewißheit.“2

Die Wahrheit ist also das Ganze: Das Denken (Bewußtsein), sein Gegenstand und die prozessierende Beziehung beider Momente. Ein Jegliches, das (vorhanden) ist, ist in Gedanken von Hier und Jetzt – und nur als Gedanke (Allgemeines).

Mit dieser Betrachtung ist Ihre Voraussetzung einer „Abbildung außerhalb des Denkens“ vernichtet. Eine „objektive Vorhandenheit“ wäre – so verstehe ich Sie, irgendwo, nur nicht im Denken. Solches „Irgendwo“ wäre selbst ein Hier und ein Jetzt.

Quod erat demonstrandum

„Krishna“, „Buddha“ und „Jesus“ sind (nur Namen) solange Sie mir nicht mitteilen, welche Bedeutungselemente S i e diesen Namen anhängen, ist Ihre Frage keine Frage. Ich kann mich dazu nicht verhalten.

Sie sprechen von dem „Allem Dasein zugrunde liegenden Sinn“. Dem wollen Sie „auf die Spur kommen“.

Macht es Sinn, vom Sinn Gottes zu sprechen? Das müßten Sie mir erst einmal zeigen. Ist Gott nicht das Absolute, d. h. das außerhalb aller Beziehung seiende Sein? Die Frage nach dem Sinn aber, ist auf eine Beziehung gerichtet.

Sie behaupten, daß der S i n n der Wahrheit für den menschlichen Geist (gibt es noch anderen Geist?) erfahrbar sei.

Nun: Wahrheit i s t . Sie h a t keinen Sinn, der erfahrbar wäre. Was wäre eine von Ihnen offensichtlich für möglich gehaltene „nicht rein geistige Begriffsform das Seins“?

Ich habe Ihnen mit Hegel gezeigt, daß „Hier“ und „Jetzt“ einfache Formen des Seins sind und allem Seienden angehören in Beziehung auf Bewußtsein, also rein „geistig“ sind.

In welchen Gefilden wandern Sie? Was dann bei Ihnen folgt ist für mich Chinesisch. Diese Sprache verstehe ich leider nicht.

Sie bringen so schöne Worte aus der östlichen Philosophie bei, die doch keine Philosophie war: „Avatar“, „Adam Kadmon“, was habe ich mir darunter vorzustellen?

Ich weiß: Heutzutage halten viele die östliche Lebensweisheit für das Höhere. Ihr Vorzug ist aber nur, daß sie nicht von der westlichen „Aufklärung“ aufgefressen werden konnte.

Das östliche Denken ist aber in der deutschen idealistischen Philosophie „aufgehoben“ (beendet, bewahrt, erhöht).

Der B e g r i f f der Liebe ist das Bewußtsein der Einsheit unterschiedenere als Gefühl. Was Sie daraus machen, schließt die Welt der fühlenden Tiere aus der Liebe aus, indem Sie diese auf „Wahrnehmung und Wertschätzung eines bestimmten g e i s t i g e n „Gegenübers“ einschränken. Mit welchem Recht?

Interessant ist, daß sich das Begreifen der Einsheit Unterschiedener im Volk, dessen Wesen die Negation der Einsheit ist, bei den Hebräern, ankündigt wie folgt:
„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf Sie(?) als Mann und Weib.“3

Alles deutet darauf hin, daß die Mehrzahl hier fehl am Platze ist. Gott ist der EINE. Diese, seine Begrifflichkeit, ist in seinem Abbild nachzuzeichnen.

Und in der Tat: Man ist nicht Mensch, und Frau ist nicht Mensch, denn d e r Mensch erhält sich nur im Gattungsverhältnis von Mann und Frau.

Der Plural in der zitierten Bibelstelle ist der Grund aus dem die Diskriminierung der Frau im mosaischen Kultus hervorgeht. (Frauen wird weder Thora noch Talmud gelehrt; Frauen sind im Hauptraum des Tempels, bzw. der Synagoge nicht zugelassen usw.) Durch den Plural sind Mann und Frau logisch nicht nur unterschieden, sondern auch trennbar.

Der von Ihnen in Großbuchstaben gesetzte Satz erscheint mir Ausdruck eines schrecklichen Mißverständnisses zu sein:

„EINFACH NUR BEWUSST DA-SEIN; OHNE OBJEKTIV VON AUSSEN WAHRGENOMMEN ZU WERDEN, UND ERST DAMIT ÜBERHAUPT IRGENDEINE BEDEUTUNG ODER EINEN WERT ZU ERHALTEN, ENDLOS LANGWEILIG SEIN!!!“

Was Sie mit dem Ausdruck „objektiv von Außen wahrgenommen werden“ sagen wollen, bezieht sich offensichtlich auf den Begriff „Anerkennung“, das an sich sein der Freiheit.

Der Anerkannte Geist hat den Kampf auf Leben und Tod, die Bestimmung durch einen fremden Willen aus sich ausgeschlossen. Der Kampf um Anerkennung ist höchste Anspannung des Willens und dadurch der Gegensatz zur Langweile.

Beschäftigt Sie etwa nicht eine Totgeburt?

„Einfach dasein“ ist unbewegtes Sein, sonst wäre es nicht einfach – nur dasein ohne Entstehen und Vergehen (Werden).

„Alles was ist, ist Wert, daß es zu Grunde geht, drum besser wär´s, wenn Nichts entstünde“ (Mephisto in Goethes Faust)

Daß so nicht gedacht werden kann, zeigt Hegel schon auf den ersten Seiten seiner „Wissenschaft der Logik“.

„Sein und Nichts ist dasselbe.“4

Darum ist Werden untrennbare Einsheit von Entstehen und Vergehen. Die Schöpfung „aus dem Nichts“ – ein Jahrhundertstreit – ist als Unsinn erkannt.

Ich finde bei Ihnen den Ausdruck: „Urkraft die aus dem `Nichts` das `Alles` schuf“. Verstehe ich Sie richtig, daß damit die „Schöpfung aus dem Nichts“ von Ihnen als Wahrheit behauptet ist. Wenn es so ist, bitte ich Sie, mir Ihr Geheimnis, das diesen Ausdruck im denken (also nicht in der Phantasie) rechtfertigt, zu verraten. Ich stünde dann wieder am Anfang.

Sie steigern sogar noch das Undenkbare mit dem Ausdruck „Weltgeist mit seiner allein in sich selbst ruhenden All-bewußtheit“.

Mich beschleicht der Verdacht, daß Sie hier mit einem Weltgeist „hantieren“ den Descartes vor rund 300 Jahren im „Methodischen Zweifel“ ertränkt hat.

Wenn es Ihnen – wie mir – um Gewißheit geht, dann gibt es dafür nur einen denkbaren Ausgangspunkt: Das Denken selbst, das Ich (also auch Sie) ist. Ständig verlassen Sie diesen Boden und landen im Sumpf der Meinungen. So sind dann auch die Resultate, die Sie mir anbieten. „Objektiv (?) von Außen (?) wahrgenommen zu werden“ ist für Sie die Quelle aus der Ihnen „Bedeutung“ und „Wert“ zufließt.

Der Wert eines Menschen ist seine Teilnahme am „Menschen überhaupt“. Dieser ist der erscheinende Gott. Er ist nicht außen, sondern innen. Seine Selbstwahrnehmung ist das Gewissen.“

Wert aus „Wahrnehmung von Außen“ bedingt Selbstentwürdigung, wie wir sie unmittelbar in der medial vermittelten Welt, insbesondere im Fernsehen z.B. an „unseren Politikern“ und allgemein an den Hanswursten in den unsäglichen Talkshows beobachten können. Man will beim Publikum „ankommen“, verbiegt sich nach allen Richtungen und fürchtet nichts mehr, als versehentlich einmal die „Wahrheit“ zu sagen, d.h. das, was man wirklich denkt.

Wie kommt es, daß ich das Gefühl nicht loswerde, von Ihnen zu einem Tripp in das Reich der geheimen Wissenschaften eingeladen zu sein. Die Strenge des Begriffs behagt Ihnen nicht.

Es geht einzig und allein um das o f f e n b a r e Wissen Gottes von sich. Dieses erscheint im sich selbst bewegenden Denken – nicht im Nirgendwo. Es ist nur Schein außerhalb des Denkens und der Trieb des Geistes ist es, das Scheinende sich anzuverwandeln, in Gedanken aufzulösen. Hegel nennt das die Idealisierung der Welt; das Treiben des Geistes „absoluten Idealismus“.

Was treiben Sie und was „treibt“ Sie. Jedenfalls nicht die Suche nach dem Unbezweifelbaren. Dieses wäre daran zu erkennen, daß sie Ihre Worte belauschen, um zu erfahren, was Sie sagen.

Das, was das denkende Bewußtsein nicht als Objekt gegenübersetzt, ist das Scheinende. Gott ist vollkommen, d. h. frei, in dem Maße, in dem der Schein im Wissen verschwindet.

Die Naturwissenschaften sind a n s i c h absoluter Idealismus. Ihr Prinzip ist die Auflösung der Materie in Gedanken (Formeln, Natur g e s e t z e ). Sie sind es aber nicht f ü r s i c h , insofern die Quelle ihrer Naturkenntnisse die Erfahrung (Empirie) und nicht die Logik als solche (Naturphilosophie) ist. Einstein bewegt sich mit seiner Relativitätstheorie im Übergangsbereich.

In der Relativitätstheorie ist die Trennung von Subjekt (Beobachter) und Objekt (Beobachtungsgegenstand) aufgehoben. Er hat seine Entdeckung auch nicht empirisch forschend, sondern deduktiv im logischen Denken gemacht. Die Empirie ist erst im Nachhinein zu ihrem Recht gekommen, indem sie die theoretischen Voraussetzungen Einsteins bestätigen konnte.

Das die Befassung mit der Natur i d e a l i s t i s c h werde, ist für die Menschheit von größter praktischer Bedeutung.

Die Ressourcen zur Befriedigung aller denkbarer Bedürfnisse des Menschen sind unendlich also auch praktisch unerschöpflich.

Energiekrise, Klimakrise, Ernährungskrise, Wasserkrise usw. sind nur Schein. Dieser ist bedingt durch die Tatsache, daß bei der Krisenbewältigung ganz überwiegend nur erst der Verstand und noch nicht die Vernunft am Werke ist. Dieser Mangel hindert die Erschließung der unendlichen Ressourcen.

Durch die Einsteinesche Relativitätstheorie und seine Entdeckung der Gleichung

E = m x c2

wissen wir, daß Masse „geronnene“ Energie ist. Da der Geist durch die Naturgesetze nicht gebunden sondern frei ist, wird er in sich den Weg finden, die Wandlung von Masse in Energie entsprechend seinen Bedürfnissen – kontrollierbar und ohne Strahlenfallout – zu bewirken.

Durch Energiezufuhr in Sekundarprozesse lassen sich in allen Bereichen dynamische Gleichgewichtsverhältnisse herstellen, d. h. die Krisenursachen beseitigen.

Im Gegensatz zur orientalischen Lebensweise, der Sie anzuhängen scheinen, sind die christliche Religion und die abendländische Philosophie interventionistisch d. h. handlungsorientiert.

Für den fernöstlichen Weisen ist Leidens- und Konfliktvermeidung der Zweck des Denkens (Kontemplation). Für den Westler ist es die Gestaltung der Wirklichkeit „nach seinem Bilde“. Diese ist dadurch Rückkehr in ihren Ursprung, den Geist. Dieser ist erst in seinem zusichkommen Idee (die seinem Begriffe, der Freiheit, gemäße Wirklichkeit). Er ist seinem Begriffe gemäß, indem er die Materialität von Kosmos und Welt als sein entäußertes Selbst erkannt (idealisiert) hat, so daß die ihn bedingende Erfahrung nicht fremd- sondern Selbstbestimmung (Freiheit).
„Der Mensch ist als Denken die Stätte der Selbstverwirklichung Gottes, der nun Geist ist.“5

In seiner Ode „Freundschaft“ dichtet Schiller:

„Der große Weltenmeister fühlte Mangel, drum schuf er Geister….“

meinte damit aber nicht – wie Sie die Langeweile, den Überdruß an der Vollkommenheit, sondern seine noch nicht Vollkommenheit. Diese ist sein Schmerz, der ihn zum Urknall treibt. Die Leiden der Welt sind so die Wehen seiner Selbstwerdung.

Die Vernunft, d. h. die von Hegel entdeckte Logik, ist Gott vor der Erschaffung der Welt (Hegel). Er entbehrt noch des Seins, das er erst im d e n k e n d e n Bewußtsein erlangt. Was Sie als „weiterentwickelten Bewußtseinszustand des Weltgeistes – mit oder ohne den Menschen – schon abgebildet und damit objektiv vorhanden“ postulieren, ist nur ein kurioser Einfall ohne denkbare Substanz. Vernunft ist „vor – Urknall“ absolutes Treiben in die Materialität (Objektivität) an der sich erst Denken „entzünden“ kann.

Daß das aufflammen des Denkens als Mensch diesen mittels Steven Hawkings „so vor kommt als liege es in der Zeit“ dreizehn Milliarden „Jahre“ zurück, ist selbst nichts anderes als die Materialisierung des Begriffs der Unendlichkeit, und zwar der konkreten Unendlichkeit die die Endlichkeit als Moment enthält. Diese ist veranschaulicht in der Annahme, daß der Urknall nicht vergangen ist, sondern als fortgesetzte Ausdehnung des Universums gegenwärtig ist.

In dieser Vorstellung liegt, daß der momentane Grad der Ausdehnung e n d l i c h ist, der aber eben so sehr schon über sich h i n a u s ist. Für die alten Griechen war das das unlösbare Rätsel der Bewegung, das in der Philosophiegeschichte als das „Paradox von Achille und der Schildkröte“ herumgeisterte. In der Physik des 20. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung ist es als die „Heisenbergsche Unschärferelation“ heimisch geworden. Und Einstein hat Niels Bohr mit der Frage ob der Mond auch noch i s t , wenn er nicht vom Menschen wahrgenommen wird, ganz gewiß nicht necken wollen. Es war eine ernst gemeinte Frage, die sich aus der Relativitätstheorie ergibt und mit „nein“ zu beantworten ist. Das erscheint aber nur dem absonderlich, der mit Hegels Phänomenologie des Geistes nicht vertraut ist. In dieser zeigt Hegel, daß die Annahme einer vom Bewußtsein unabhängigen Realität auf irrtümlichen Annahmen beruht. Er hat diesen Irrtum mit der vorstehend aufgezeigten Dialektik der Denkbestimmungen des „jetzt“ (und ebenso „hier“) „aufgehoben“. Sie haben sich aus diesem Irrtum noch nicht herausgearbeitet, was ich schade finde. Was war Ihrer Meinung nach „früher“, das Huhn oder das Ei?

Es ist die Wahrnehmung die s i c h die Dinge aus dem Chaos „ausschneidet“, die erst dadurch s i n d . Es ist die F o r m , d. h. der G e d a n k e der sie zur Existenz bringt.

Was bleibt jetzt noch von Ihren „Erkenntnissen“?

Ich bin zwar kein Sokrates, aber ich weiß, daß Sie nicht einmal „nichts“ wissen.

Werden Sie jetzt – um Ihres Seelenheils Willen – mit Buddha aus dem Dialog fliehen?

In liebevoller Erinnerung an meinen Hund „Barnie“

Hund Barnie ausgeschnitten kl

grüße ich Sie herzlich,

Horst Mahler

1  Otto Wagener, Hitler aus nächster Nähe, Aufzeichnungen eines Vertrauten 1929-1932, Hrsg. H.A. Turner, Jr., Ullstein 1978, S. 152 f. / auch zitiert in „Das Ende der Wanderschaft – Gedanken über Gilad Atzmon und die Judenheit“ ; Horst Mahler 2013; S 329

2  Hegel, Suhrkamp Werkausgabe Band III, Seite 84 f.

3  1.Buch Mose, Kap. 1, Vers 27

4  Hegel, Suhrkamp Werkausgabe Band V, Seite 83

5  Johannes 4, 24