Brief an B – 21.Nov 2017

Horst Mahler
JVA Brandenburg/Havel

21.November 2017

Lieber Herr B.

Herzlichen Dank für Ihre Briefe vom 31.10. und 6.11. d.J.

Zu Letzterem: Mir scheint, daß Ihre Schlüsse herrühren aus einer geistigen Disziplin, die sich „vergleichende Religionswissenschaft“ nennt.

Welchen Anspruch könnte diese „Wissenschaft“ erheben, Weg in die Erkenntnis der Wahrheit zu sein?

Vor meinem geistigen Auge breiten Sie eine Fülle von Glitzerdingern aus:„Wotan, Tiwaz, Ormuzd, Angra Mainyu usw.

Und Sie sprechen von „Menschenwerk“, „Interpretationen von Postulaten der Gottheit […]“.

Und ich mutmaße Sie, als einen „Feuerbachianer“ (Wesen des Christentums) vor mir zu haben. Als sogenannter Junghegelianer steht Feuerbach für die atheistische / materialistische Hegelinterpretation die via Karl Marx Weltgeschichte gemacht hat.

Die „linke“ Hegelinterpretation hat übersehen daß Hegel als Ausgangspunkt der „neuen Philosophie“ (im Unterschied zur griechischen Philosophie) den „methodischen Zweifel“ des Karthesius und dessen Satz „…..“ erkannt hat.

Außer ICH = Denken ist nichts gewiß. Nur das, was sich im Denken mit Notwendigkeit aus diesem Satz ergibt, kann als gewiß wahr gelten.

Feuerbach war wohl der erste, der in Gott eine Himmelsprojektion des Menschen erkennen wollte. Das Körnchen Wahrheit darin ist, daß die Vorstellung der „Projektion“ ein Gleichnis ist für die prozessierende Einsheit der in Wechselwirkung stehenden Momente.

Feuerbach denkt nicht vernünftig sondern nur verständig. Er hat auf nur verständige Weise Gott aus dem Jenseits in das Diesseits versetzt. ER hat jetzt seinen Platz im Menschen, der nicht Gott ist. Wegen dieser Profanation Gottes hat der Jude Karl Marx Feuerbach geliebt.

Hegel erkennt „ICH = DENKEN = GOTT“. Erscheinendes ICH IST MENSCH. Für Feuerbach ist Gott nur eine Hypostasierung des materialistisch entgöttlichten Menschen.

Das ist zugleich das Einfallstor für die moralische Geschichtsbetrachtung, die eine Frucht des orientalischen Dualismus ist. Alle Schlechtigkeiten verbleiben auf der Seite des Menschen, Gott, der Erhabene, ist von ihnen nicht affiziert.

Ich habe Grund zu der Annahme, daß Sie sich von dieser Denkweise noch nicht gänzlich befreit haben. Sie schreiben von „unheiligen und menschenverachtenden, mörderischen Aktivitäten der selbsternannten islamischen Dschihadisten „unserer Tage“. – Schwupp! Schon sitzt Gott wieder auf der Anklagebank im Vorwurf daß er solches zuläßt.

Die Dschihadisten sind nach weltlichem Recht Verbrecher in der Gesellschaft, gegen die sie sich auflehnen, und Helden in der Gesellschaft für deren Realisierung sie ihr Leben aufopfern.

Ich habe dieses Thema abgehandelt in dem Essay „Die Welt steht in Flammen – Wo hängt der Feuerlöscher?“ (Auch wegen dieses im Internet Weihnachten 2014 veröffentlichten Textes bin ich angeklagt)

Die moralische Geschichtsbetrachtung ist ein Hauptstück des mosaischen Ideenkreises, indem sie die Trennung von Gott und Mensch zur Voraussetzung hat (Gott stellt sich ja nicht selbst unter Anklage).

Aus der heilsgeschichtlichen Perspektive ist abzusehen daß der Dschihadismus in seinen extremsten Formen immer größere Teile der islamischen Welt in seinen Bann ziehen wird. Zum ersten Male habe ich darüber Anfang der 90‘ Jahre des vergangenen Jahrhunderts geschrieben („Dolch siegt über Atombombe“). Ich bekam dafür über die jemenitische Botschaft einen arabischen Krummdolch geschenkt.

Der Dschihadismus in Verbindung mit dem Fortschreiten des Bevölkerungsaustausches in Europa wird der entscheidende Treibsatz für die Auferstehung Gottes in der Gestalt der idealistischen deutschen Philosophie sein (Dazu sollten Sie Matthäus Kap. 24 lesen).

Indem der Buddhismus die Lösung aus den weltlichen Interessen „als einzig möglichen Weg zur Erlösung predigt“, ist sein Prinzip die Weltvermeidung. Wozu dann Welt überhaupt?

Keine einzige orientalische Religion enthält in sich den Gedanken, daß das Leiden in und an der Welt ein notwendiges Moment des lebendigen Gottes ist. Es war der Görlitzer Schuster Jakob Böhme, der Anfang des 17. Jahrhunderts das Tor zu wahrhafter Gotteserkenntnis aufstieß, indem er die „Widerwärtigkeit“ der Welt als Spiegel auffaßte, ohne den Gott nicht wüßte, was er ist. Erst die Spiegelung an der Welt als seine Erscheinung, vermittelt Gott das Wissen, was er sein und was er nicht sein will.

Alle Religionen, die nicht den Gedanken explizit darstellen, daß Welt und Leiden der Kreatur, Momente der Gottheit sind, verfallen dem philosophischen Atheismus, denn sie sind Darstellungen Satans. Dieser quält um des Quälens Willen.

Im Christentum ist diese Blasphemie aufgehoben in der expliziten Vorstellung der Ebenbildlichkeit des Menschen in der Gestalt des Vater Sohn Verhältnisses. Gott ist Vater durch den Sohn. Daraus folgt alles weitere. Der Schmerz ist die Qualierung (Jakob Böhme) des Vaters durch die Geburt des Sohnes.Es sind die Wehen (Matthäus 24,8) seiner eigenen Geburt als die erkannte Wahrheit, d.h. des Wissens von sich selbst = absolutes Wissen oder Wissen des Absoluten. Absolut ist Wissen indem es rein im Denken hervorgeht, abgezogen von allen endlichen Vorstellungen und sinnlichen Gegenständen der Wahrnehmung.

Aus Wotan, Baldur, Looki, Buddha, Shiwa usw. ist nicht zu erkennen.

Das Unvermögen dieser Herangehensweise und damit der „vergleichenden Religionswissenschaft“ hat Hegel unter anderem in seiner „Phänomenologie des Geistes“ wie folgt aufgedeckt:

„Das Bekannte überhaupt ist darum, weil es bekannt ist, nicht erkannt. Es ist die gewöhnlichste Selbsttäuschung, wie Täuschung Anderer, beim Erkennen etwas als bekannt vorauszusetzen, und es sich ebenso gefallen zu lassen; mit allem Hin- und Herreden kommt solches Wissen, ohne zu wissen wie ihm geschieht, nicht von der Stelle. Das Subjekt und Objekt usf., Gott, Natur, der Verstand, die Sinnlichkeit usf. werden unbesehen als bekannt und als etwas Gültiges zugrunde gelegt und machen feste Punkte, sowohl des Ausgangs, als auch der Rückkehr aus. Die Bewegung geht zwischen ihnen, die unbewegt bleiben, hin und her und somit nur auf ihrer Oberfläche vor. So besteht auch das Auffassen und Prüfen darin, zu sehen, ob jeder, das von ihnen Gesagte, auch in seiner Vorstellung findet, ob es ihm so scheint und bekannt ist oder nicht.“

Denkbestimmungen – z.B. Subjekt, Objekt usw. – haben ein Innenleben das Hegel aufgedeckt hat. Erkennen ist das Nachdenken dieses Innenlebens, des Begriffs (Gottes). Das an Äußerlichkeit haftende Denken bringt nur Meinungen d.h. die Gedankendinge ohne Gewissheit der Wahrheit hervor. Über Meinungen läßt sich streiten, über eingesehene Wahrheit nicht. Oder wollen Sie mit mir darüber streiten ob 2 + 3 = 5 ist?

In dieser Innenansicht ist Ihre Unterscheidung von „Sanhedrin“ und „das gesamte Volk der Juden“ ohne Sinn.

„Volk“ ist lebendiges Dasein eines bestimmten Volksgeistes, dessen Substanz äußert sich als der existenzstiftende Kernkonsens dessen Werden Hegel in der Phänomenologie des Geistes wie folgt darstellt:

„Die Aufgabe, das Individuum von seinem ungebildeten Standpunkte aus zum Wissen zu führen, war in ihrem allgemeinen Sinn zu fassen und das allgemeine Individuum, der selbstbewußte Geist, in seiner Bildung zu betrachten. Was das Verhältnis beider betrifft, so zeigt sich in dem allgemeinen Individuum jedes Moment, wie es die konkrete Form und eigene Gestaltung gewinnt. Das besondere Individuum ist der unvollständige Geist, eine konkrete Gestalt, in deren ganzem Dasein eine Bestimmtheit herrschend ist und worin die Anderen nur in verwischten Zügen vorhanden sind. In dem Geiste, der höher steht als ein anderer, ist das niedrigere konkrete Dasein zu einem unscheinbaren Momente herabgesunken; was vorher die Sache selbst war, ist nur noch eine Spur; ihre Gestalt ist eingehüllt und eine einfache Schattierung geworden. Diese Vergangenheit durchläuft das Individuum, dessen Substanz der höherstehende Geist ist, in der Weise, wie der, welcher eine höhere Wissenschaft vornimmt, die
Vorbereitungskenntnisse, die er längst innehat, um sich ihren Inhalt gegenwärtig zu machen, durchgeht; er ruft die Erinnerung derselben zurück, ohne darin sein Interesse und Verweilen zu haben. Der Einzelne muß auch dem Inhalte nach die Bildungsstufen des allgemeinen Geistes durchlaufen, aber als vom Geiste schon abgelegte Gestalten, als Stufen eines Wegs, der ausgearbeitet und geebnet ist; so sehen wir in Ansehung der Kenntnisse das, was in früheren Zeitaltern den reifen Geist der Männer beschäftigte, zu Kenntnissen, Übungen und selbst Spielen des Knabenalters herabgesunken und werden in dem pädagogischen Fortschreiten, die wie im Schattenrisse nachgezeichnete Geschichte der Bildung der Welt erkennen. Dies vergangene Dasein ist bereits erworbenes Eigentum des allgemeinen Geistes, der die Substanz des Individuums, und so ihm äußerlich erscheinend seine unorganische Natur, ausmacht. – Die Bildung in dieser Rücksicht besteht, von der Seite des Individuums aus betrachtet, darin, daß es dies Vorhandene erwerbe, seine unorganische Natur in sich zehre, und für sich in Besitz nehme. Dies ist aber von der Seite des allgemeinen Geistes als der Substanz nichts anderes, als daß diese sich ihr Selbstbewußt-sein gibt, ihr Werden und ihre Reflexion (d.h. ihre Weiterentwicklung / HM) in sich hervorbringt.“

Der Sanhedrin bzw. das Rabinat ist ein untrennbares Moment des Volksgeistes. Das Organ, das den Kernkonsens des Volkes bestimmt und im Volk zum Dasein bringt.

Die Unterscheidung, die Sie hier vornehmen, betrifft einen anderen Bereich des Geistes.

Platon hat schon erkannt, daß Bildung ein „Erinnern“ ist. Der Geist, der Einer ist, empfängt nichts ihm Äußerliches. Jede mögliche Erkenntnis ist in ihm latent schon vorhanden.

In der Bildung macht sich ein schon höher entwickelter Geist für den niedrigeren vernehmbar. Der Empfangene niedrigere gibt Zeugnis davon, daß der eigene virtuelle (latente) Geist aus Latenz in akutes Wissen übergegangen ist. (Das ist das Erlebnis des Verstehens. Die relative Leichtigkeit bzw. Schwerfälligkeit dieses Übergangs macht die Intelligenzgrade aus.)

Der subjektive Geist empfängt nicht nur das, was vom eigentümlichen „Konsensgenerator“ ausgeht. Er empfängt auch Gedanken eines fremden Geistes, der grundsätzlich die Kraft ist, latentes Wissen des empfangenen Geistes aus der Latenz zu erwecken, daß den völkischen Kernkonsens überschreitet und so möglicherweise das empfangende Individuum in seinem Volk zum Ketzer (Dissidenten) macht. Die Dissidenz ist nicht nur Qualität sondern auch Quantität. Überschreitet die Quantität das (qualitative) Maß, setzt sich der dissentierende Geist als neuer Kernkonsens. Von diesem Prozess der Konsenserosion ist das jüdische Volk gegenwärtig nachhaltig betroffen. Der Messias ist im Anmarsch 🙂 .

Ihre trennende Unterscheidung von Sanhedrin und jüdischem Volk ist durch die Vernunft obsolet. Mit ihr sind Sie absolut wehrlos gegen die verdeckte Fremdherrschaft der das deutsche Volk unterworfen ist. Die auf dem
Grundgesetzt für die BRD beruhenden hoheitlichen Strukturen sind nicht aus dem Willen des deutschen Volkes hervorgegangen und sind auch nicht nachträglich – quasi als Gewohnheitsrecht – die reale Verfassung unseres Volkes geworden. Eine Heilung dieses Mangels wäre nur denkbar unter der Voraussetzung von Meinungs- und Willensbildungsfreiheit für das deutsche Volk bei gleichzeitiger Aufdeckung der Geschichtslügen. Keine einzige dieser Bedingungen ist gegeben.

Im Römerbrief des Paulus klingt der großartige Gedanke an, daß die Verblendung eines Teiles des jüdischen Volkes aus dem Willen Gottes d.h. als heilsgeschichtliche Notwendigkeit in Erscheinung tritt:

„Gott gab ihnen einen Geist der Betäubung, Augen, die nicht sehen, und Ohren, die nicht hören, bis zum heutigen Tag.“ (Römer 11,8)

Und Paulus antwortet auf die selbst gestellte Frage „ob die Juden etwa gestrauchelt seien“:

„Keineswegs! Vielmehr kam durch ihr Versagen das Heil zu den Heiden, […]“ (Römer 11,11)

Das korrespondiert mit dem Evangelium des Johannes wo es heißt:

„[…] denn das Heil kommt von den Juden“ (Johannes 4,22)

Und auch Johannes stellt einen Bezug des Unglaubens der Juden zum Willen
Gottes (Heilsgeschichtliche Notwendigkeit) wie folgt her:

„Er hat ihre Augen blind gemacht und ihr Herz hart, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen, damit sie sich nicht bekehren(!) und ich (Jesus) sie nicht heile.“ (Johannes 12,40)

Erst der Vernunftbegriff reicht den Schlüssel zum Verständnis dieser Bibelstelle: Allein durch ihre Verstocktheit und die Erkaltung ihrer Herzen ist die Judenheit befähigt zu ihrer heilsgeschichtlichen Bestimmung die Heiden zur Freiheit zu führen. Wie das?

In ihren natürlichen – d.h. unbewußt (instinktiv) wirkenden – Bindungen an lebensermöglichende Ordnungen sind die endlichen Geister (noch) nicht frei, sondern von unbegriffenen Mächten fremdbestimmt. Die Zersetzung dieser Ordnungen bereitet Not, die es jetzt aus dem Begriff d. h. durch Selbsterkenntnis Gottes, zu wenden gilt.

Erst die im Wissen ihrer Notwendigkeit gegründete Ordnung ist Freiheit. Das „Du sollst!“ weicht dem „ich will“.

So erst ist der Geist nicht bestimmt durch ein Etwas das nicht er selbst ist (das ist der Vernunftbegriff „Freiheit“).

An dieser Erkenntnis werde die pfäffischen Erklärungen der den Menschen widerfahrenden Katastrophen als „Strafe für ihre Sündhaftigkeit“ zu schanden. Diese Deutung ist Gotteslästerung indem sie voraussetzt, daß Gott den Menschen ohne Not Sündenanfällig geschaffen hat. Gott wäre in Wahrheit Satan. Satan quält um des Quälens Willen.

Der Jude als Kapitalist „muss ein steinernes Herz“ haben um zielgerichtet zu bewirken;

„[…] die bürgerliche Gesellschaft sich vollständig vom Staatsleben getrennt, alle Gattungsbande des Menschen zerrissen, den Egoismus, das Eigennützige Bedürfnis an die Stelle dieser Gattungsbande gesetzt, die Menschheit in eine Welt atomistischer, feindlich sich gegenüber stehende Individuen aufgelöst hat“ (Karl Marx)

Wir haben keinen Streit um die „Auslegung“ von Johannes 8,44. Es ist allein der Vernunftbegriff der „ideelles Menschenwerk“ durchsichtig macht als Gotteswerk, besser als Leben Gottes selbst in seiner Erscheinung als Welt.

Die beigebrachten Zitate aus den heiligen Schriften dienen nur dem Zweck darin die Gegenwart des Begriffes aufzuzeigen.

Weder altes noch neues Testament sind zur Erbauung schwächlicher Gemüter geschrieben. Es sind Kampfschriften des Geistes. Jesus ist nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Wir existieren auch nicht um unseretwillen.

Die Weltgeschichte wird nicht von Menschen gemacht, wohl aber durch Menschen; denn sie sind der erscheinende Gott in seiner Organung in Völkern. Diese sind nicht zufällige Vorhandenheiten, sondern Organe als Darstellungen der Einsheit Gottes, Teile eines Ganzen, die selbstnotwendig das Ganze sind (Begriff der Totalität).

Ich hoffe, daß ich damit einige der gestellten Fragen vom Standpunkt des Vernunftdenkens aus beantwortet habe und wir unser Gespräch fortsetzen können.

Horst Mahler



Der Brief als PDF