Brief an Frau X – 2.08.2017

Horst Mahler, JVA Brandenburg

Brandenburg am 2. August 2017

Liebe Frau X,

das „Büchlein“ wurde mir nicht ausgehändigt. Danke für den Versuch, es mir zukommen zu lassen.

Daß die Juden schuld seien am Unheil dieser Welt, ist ein Wort von Kaiser Wilhelm II. Mir ist dieser Satz gänzlich fremd. Die Weltgeschichte ist niemandes Schuld. Ohne Unheil kein Heil. Das ist des Rätsels Lösung. Diese Weisheit schöpfe ich nicht aus der Bibel, sondern aus dem Reinen Denken, wie es der deutsche Philosoph Hegel gezeigt hat. Es ist dem natürlichen Bewußtsein fremd und bedarf mühevoller Aneignung. Hat man es aber für sich erworben, kann man in den heiligen Schriften die Wahrheit als ihren Wahrhaften, nur mystisch verkleideten Inhalt erkennen.

Diesem Denken erschließt sich die Erkenntnis der Wahrheit des Judentums. Marin Buber hat sie ausgesprochen: Die Judenheit ist das Nein zum Leben der Völker, d.h. sie ist Satan, das Unheil als Person. Zugleich kommt von ihr das Heil (Johannes 4, 22). Paulus benennt im Römerbrief diesen Widerspruch: „Vom Evangelium her gesehen sind sie (die Juden) Feinde Gottes, und das um euretwillen; von ihrer Erwählung her gesehen sind sie von Gott geliebt, und das um der Väter Willen“. (Römerbrief 11, 28)

In Westeuropa ist der auf die Bibel gestützte Glaube weitgehend erloschen. Das ist ein ungeheurer Fortschritt des Geistes im Bewußtsein der Freiheit und zugleich eine tödliche Bedrohung für alle Völker des Erdballs. Mit dem Glaubensverlust geht einher der Verlust der Fähigkeit, dem Feind Gottes, der eine völkerverzehrende reale Macht ist, zu widerstehen.

Die christlichen Kirchen betreiben von Anbeginn Gotteslästerung, indem sie das Grauen in der Welt auf die Sündhaftigkeit von Menschen zurückführen. Sie wissen nicht, was sie damit unausgesprochen sagen, bzw. behaupten. Sie unterstellen als die Wahrheit, daß Gott ewig vollkommen ist. Dann aber hätte Er den Menschen wis- sentlich sündenanfällig geschaffen. Er wäre ein böser Gott, Satan. Und „wozu Mensch überhaupt?“ (Nietzsche). Nach Matthäus lehrt Jesus, daß das Grauen sein muß (Matthäus 24, 6), und nach Johannes sprach Jesus zu den Juden: „Ihr habt den Teufel zum Vater und der ist ein Mörder von Anbeginn und der Vater der Lüge.“ (Joh. 8, 44).

JAHWE läßt die Völker und Nationen wissen, daß er erzürnt ist über alle Völker und zornig über all ihre Heere, sodaß er sie zur Schlachtung dahingeben werde, daß der Gestank ihrer Leichen zum Himmel aufgehen werde und die Berge von ihrem Blut triefen werden (Jesaja 34, 27). Also ist JAHWE gar kein Gott? Oder gibt es mehrere Götter: JAHWE, der Gott der Juden -den „lieben Gott“ der Abendländer? -Allah, den Gott der Morgenländer?

Das Problem ist der Glaube, der kein Wissen ist, und sich immer mehr Menschen nicht mehr als Gewißheit der Wahrheit vermittelt. Um diese Gewißheit aber geht es einzig und allein. Diese und nichts anderes ist das Heil. Wie kann ich über Matthäus 24, über die Bombe von Hiroshima und den Feuersturm von Dresden und Hamburg hinweg „Gott vertrauen“ und seine „Liebe“ spüren? Was muten Sie mir zu, wenn Sie Gott und Teufel nicht in konkreter Einsheit denken? Hat Jesus gelogen? Hat Jesaja gelogen?

Werden Sie unser Gespräch fortsetzen wollen, wenn es Sie vielleicht ratlos macht?

Mit herzlichen Grüßen
Horst Mahler