Brief an Herrn Sch. – 17.04.2018

Horst Mahler
Anton-Saefkow-Allee 22
14772 Brandenburg

 

17. April 2018

Sehr geehrter Herr Sch.,

Ihr Schreiben „vom letzten Sommer“ habe ich wohl erhalten. Dieses ist irgendwie untergegangen. Ich habe es in meinen Unterlagen nicht mehr finden können.

Mir steht der Sinn nicht danach, meine „Biografie“, die Sie für einen „Skandal“ halten, verständlich zu machen oder gar zu rechtfertigen.

Man forscht und denkt; dann hat man eine Überzeugung. Was ist daran „skandalös“? Soweit Sie Denktümer für Irrtümer erachten, müssten Sie in der Lage sein, im Denken Letztere als solche aufzuzeigen. Ohne das ist „kritische Rezension“ nicht vorhanden.

Historiker sind dafür bekannt, dass sie über Dinge schreiben, die sie nicht verstehen. Mich interessiert nicht „die Geschichte“, sondern das, was in ihr vorgeht. „In der Weltgeschichte geht es vernünftig zu.“ (Hegel). Liegt es da nicht nahe, nach der Vernunft der Jahrtausende alten Feindschaft der Völker gegen die Judenheit zu fragen? Die ist doch eine geschichtsmächtige Tatsache. Sollte ausgerechnet sie grundlos sein? Was hat es damit auf sich, dass gerade uns Deutschen diese Feindschaft gebetsmühlenartig als Schuld vorgeworfen wird? Meine Biografie ist nichts anderes, als die Ankunft bei diesen Fragen. Drei Mal hat die Justiz der Bundesrepublik Deutschland den Versuch unternommen, mich auf dem Weg dahin zu psychatrisieren. Drei Mal ist dieser Versuch kläglich gescheitert. Weg und Ankunft habe ich in meinem Buch „Das Ende der Wanderschaft – Gedanken über Gilad Atzmon und die Judenheit“ dargestellt.

Unterbrechung

Fortsetzung am 18.April 2018

Heute Nacht wurde der Dokumentarfilm über Hannah Arendt ausgestrahlt. Ich geriet durch „Zappen“ zufällig an das Spektakel. Das war natürlich kein Zufall sondern Fügung. Was dabei rüberkam, gehört zu diesem Brief.

Sie genießen den Gedanken, dass ich als nunmehr 82-Jähriger im Knast sitze, in dem 1944 der kommunistische Widerständler Anton Saefkow hingerichtet worden sei. Sie wollen einem noch imaginären Publikum das Skandalon meines Lebenslaufes „erklären“ können. Sie wissen gar nicht, was Sie sich damit vorgenommen haben und schon bald werden Sie die Finger von dem Vorhaben lassen.

In dem Arendt-Film wird die Szene gezeigt, in der die jüdische Philosophin bei einem Waldspaziergang von vier Mossad-Agenten in bedrohlicher Weise aufgefordert wird, ihr Buch über den Eichmann-Prozess nicht zu veröffentlichen. In diesem entwickelt Hannah Arendt den Begriff der „Banalität des Bösen“ und sie zeigt sich entsetzt über die Beteiligung der jüdischen Räte an Eichmanns Taten.

In einer ihrer Vorlesungen, die in dem Film gezeigt wird, streift Hannah Arendt den Gedanken des Jakob Böhme, nach dem das Böse ein notwendiges Moment im Leben Gottes selbst ist, ohne dass er nicht wüsste, was er ist.

Als Jüdin aber war es der Autorin nicht gegeben, ihr Nachdenken über das Böse in die Wiedergewinnung des Gottesgedankens – nunmehr als W i s s e n seines Begriffs – münden zu lassen. Sie scheitert als Philosophin indem sie mit dem Ausdruck „Banalität des Bösen“ dieses aus dem philosophischen Diskurs wieder entfernt.

Die Judenheit – das zeigt die Mossad-Szene – hatte das Angebot, das Hannah Arendt mit ihrem Eichmann-Buch dem Judentum gemacht hatte, nicht begriffen.

Hannah Arendt deutet Adolf Eichmann als „das Aufhören des Denkens“. Offensichtlich kennt sie nicht die Bücher Moses (die Thora), die Völkermord als den Willen Jahwes offenbaren.

Mit dem Satz „Es ist nichts schlechtes, weil es ‚als Böse‘ genannt wird.“ hatte Hegel das Heimatrecht des Teufels in der Philosophie verteidigt. Der Jude Martin Buber hat die Bodenständigkeit des Bösen in der Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts auf philosophische Weise ausgesprochen, indem er das Judentum als „Das Nein zum Leben der Völker“, das heißt als Moment des (logischen) Begriffs, erkannt hatte.

Sie schreiben, Sie hätten viel von mir gelesen, aber kennen Sie auch meinen „offenen Brief an Michel Friedmann“ vom 10.Mai 2000? Darin schrieb ich:

Ich würde gern über den offenen Brief, den ich im Januar an Daniel Goldhagen geschrieben habe, mit Ihnen öffentlich diskutieren…es ist ein Beitrag zur Entmystifizierung des Holocausts, letzteren leugne ich schon deshalb nicht, weil das strafbar wäre. Wenn er nicht – so lautet meine These – Ereignis wäre, müsste er erfunden werden. Von seiner Gegenwart im Bewusstsein der amerikanisierten Welt, die zugleich eine judaisierte Welt ist, geht für uns Deutsche der unwiderstehliche Zwang aus, im geistigen Ringen Jahwe, den Gott der Juden, zu überwinden und das ist es, worauf die Welt wartet.“

In die Deutung des vergangenen Jahrhunderts schlägt auch Bertolt Brechts Bemerkung ein:

„Auch der Hass des Hässlichen verzerrt die Züge.“

GOTT WAR AUCH IN AUSCHWITZ – DENN ER IST ALLGEGENWÄRTIG!

Die Antiquiertheit der christlichen Theologie erweist sich in der Unfähigkeit das Holocaust-Narrativ in die Vorstellung von einem gütigen und liebenden Gott zu integrieren. Für Christen – das ist die Schlussfolgerung daraus, gibt es keinen Gott mehr. Dementsprechend sind die zahlreichen christlichen Sekten nur noch Gruften, in denen Gottes Leichnam begraben liegt. Dort harrt er seiner Auferstehung. Diese kann er nur noch im Denken haben: In der deutschen, idealistischen Philosophie.

Wegen Hannah Arendt ist Adolf Eichmann sein Menschsein zurückzugeben. Die Susbtanz des Menschen ist Geist, das heißt Denken. In Adolf Eichmann wirkte Denken in alt-testamentarischer Gestalt. In dieser existiert der Mensch getrennt von Gott so, dass dieser die Vernichtung des Menschen wollen kann um Gott zu sein (vergleiche dazu mein Buch „Das Ende der Wanderschaft – Gedanken über Gilad Atzmon und die Judenheit“ Seite 11f).

Im Judentum ist das Gottesbild mit dem Rassegedanken verschmolzen. In der talmudischen Deutung der Bücher Moses sind nur Juden Menschen, Nicht-Juden wie das Vieh. Jahwe hat die Völker seinem Eigentumsvolk „zur Schlachtung dahingegeben, das ihre Leichname gen Himmel stinken und die Berge vom Blute fließen“.

Der „exterminatorische Rassismus“ ist von Mosaischem Geist, der als Gegenstoß auch in den Völkern haust, bis zu dem Tag, an dem der Geist sich als Einsheit von Mensch und Gott erkannt haben wird. Dann erst ist die Völkerschlachtung nicht mehr denkbar, wenn Denken begriffen ist als Verantwortung vor Gott. In der Gestalt der Unmittelbarkeit zeigt sich unsere Verantwortlichkeit in dem Erlebnis des von uns nicht beherrschbaren Urteils der Richtigkeit/Unrichtigkeit bzw. Wahrheit/Unwahrheit des Denkens.

Im Denken Eichmanns als Verstandesmensch hatte der Führer Adolf Hitler die Stellung Jahwes, des eifersüchtigen und zornigen Gottes eingenommen, dessen Wille über jeglicher Moral steht (das Wesen der Erhabenheit).

Ein Jude, der den Völkern den Tod wünscht und real bei deren Vernichtung mitwirkt, kann dabei „ein gutes Gewissen“ haben, indem er wähnt göttlichem Befehl Gehorsam zu sein. Darf das nicht für Deutsche gelten, die Adolf Hitler gehorsam waren? Wo endet ein Volk, dessen Volonté General (Gesamtwille) unter die Willkür des Einzelnen gebeugt ist? Dem Einzelnen fehlen alle kognitiven Bedingungen für die Fassung des Volkswillens (in der Parteiendemokratie „wählen Ignoranten Dilletanten“ (Hans Gehrling) in Gremien, die nicht wirklich etwas zu entscheiden haben).

Was im Westen als Demokratie gilt, ist in Wahrheit der gewollte und programmierte Volkstod, also stets Herrschaft eines volksfremden Willens (Fremdherrschaft). Fremder Herr kann dabei sowohl äußerer als auch innerer Feind sein.

Ein Volk ist nach Innen wie nach Außen nur dann frei, wenn es sich als Organismus verfasst, der weiß, dass er krank ist, wenn und soweit die Launen des Pöbels seinen Geist lähmen.

Pöbel im philosophischen Sinne ist dabei jeder, der sein Sein als Einzelwesen von seinem Sein als Gemeinwesen losreißt. In der wahnhaften Vorstellung, dass der Staat ein Dienstleistungsbetrieb zu Förderung seiner egoistischen Lüste sei.

Das deutsche Volk mit dieser Krankheit zu infizieren, war das Kriegsziel des mächtigsten seiner Feinde, der nicht bei seinem Namen genannt werden darf. Eine halbwegs brauchbare Umschreibung seines Namens hat jüngst der Führer des Volkes des Ungarn Viktor Orban auf das Schlachtfeld des Kriegs der Worte geführt. In seiner Rede anlässlich des Jahrestages der Revolution der Magiaren am 15.März 2018 führte er aus:

Wir müssen einen Widersacher (hebräisch „Satan“) bekämpfen, der anders ist als wir. Ihre Gesichter sind nicht sichtbar, sondern unseren Blicken verborgen; sie kämpfen nicht direkt, sondern getarnt; sie sind nicht ehrenwert, sondern prinzipienlos; sie sind nicht national, sondern international; sie glauben nicht an die Arbeit, sondern spekulieren mit Geld; sie haben kein Vaterland, sondern sie glauben ihnen gehöre die ganze Welt.“ (Quelle: Die Zeit Nr.15/2018 vom 5.April 2018, Seite 6)

Diese Charakteristika der Kampfführung hatte schon Hegel wie folgt hervorgehoben:

Juden siegen; aber sie haben nicht gekämpft; die Ägypter unterliegen aber nicht durch ihre Feinde. Sie unterliegen wie vergiftete oder im Schlaf ermordete einem unsichtbaren Angriff…“ (Hegel, Suhrkampf Werkausgabe Band 1 Seite 282)

Mit diesen Gedanken und Überzeugungen kommt man nicht auf die Welt und man saugt sie auch nicht mit der Muttermilch ein. Im vom Feind besetzten Deutschland gelangt man nur durch einen lebenslangen Kampf – hauptsächlich gegen die eigene Angst – zu befreitem Denken.

Es interessiere Sie „wie mein Leben meine Geschichte geworden sei“, behaupten Sie in Ihrem Brief. Bevor ich mich darauf einlasse, müssen Sie mir zu einer Vorstellung verhelfen. Wie Sie im Vorurteil begründen, dass mein Leben „ein Skandal“ sei. Ich vermute, dass Sie in Ihr Denken einen Selbstschutzmechanismus eingebaut haben, der Sie davor bewahrt, sich in das Minenfeld der verbotenen Meinungen zu verlaufen. Den würde ich zu allererst und schonungslos angreifen und es könnte wohl sein, dass Sie ihn verlieren – vielleicht mit vielleicht unabsehbaren Folgen.

Sie wollen mich befragen. Ich lasse mich von Ihnen aber nicht befragen – aber gern in Frage stellen. Trauen Sie sich das zu? Wir hätten beide was davon. Gegebenenfalls können wir – wie Sie es nennen – „einen schriftlichen Austausch ins Auge fassen“. Na, wie wärs?

Mit freundlichen Grüßen

Horst Mahler